Archiv der Kategorie: Technik

Zwei Kilometer Glück (9.397 km)

Was für ein enttäuschender Morgen. Die Herzallerliebste ist völlig erkältet und liegt hustend auf dem Sofa. Da wollte ich aus der Not eine Tugend machen und mit dem Grasshopper in die Stadt fahren. Zum Glück habe ich vor dem Losfahren gewohnheitsmäßig eine Bremsprobe gemacht… und musste feststellen, dass ich nach der letzten Tour die Bremsbeläge wechseln wollte und das leider vergessen habe.

Da ich das Wechseln als kompliziert in Erinnerung hatte, habe ich es erst einmal gar nicht probiert und habe die notwendigen Erledigungen mit meinem Faltrad gemacht.

Am Abend hatte ich noch etwas Zeit und habe im Keller noch ein Paar Bremsbeläge gefunden. Als ich dann nach weniger als einer halben Stunde das Vorderrad ausgebaut, die alten Beläge entfernt, alles saubergemacht, die neuen Beläge und das Rad wieder eingebaut hatte, war ich doch überrascht. Nur ob ich den Nabendynamo so angeschlossen hatte, dass das Bremslicht funktioniert, konnte ich nicht testen, aber die Bremsen selber funktionieren wieder richtig gut.

Voller Begeisterung habe ich eine kleine Runde zum Einbremsen gedreht. Es hat riesig Spaß gemacht, endlich mal wieder mit dem Grasshopper zu fahren. Mal sehen, ob ich mir in nächster Zeit die Zeit dafür nehmen kann, wieder mehr zu fahren.

STEPS 5000 – Die lautlose Revolution am Liegerad (?)

Mit dem nicht gerade bescheidenen Motto „Die lautlose Revolution am Liegerad“ stellt HP-Velotechnik auf der Spezialradmesse SPEZI am 27./28. April 2019 den neuen Motor Steps E5000 von Shimano vor. Ich bin gespannt, wie „lautlos“ der Motor ist. Ich bin vom Steps E6100 am Pino positiv überrascht. Trotz kräftiger Unterstützung hält sich dessen Lärm in Grenzen. Lautlos ist er aber nicht.

In der Pressemitteilung schreibt HP, dass der neue Elektromotor E5000 von Shimano schafft, was andere Tretlagermotoren an den Liegerädern von HP Velotechnik bisher nicht konnten. Auch bei vollem Einsatz bleibt das kleine Kraftpaket vorne am Frontausleger praktisch lautlos. „Das ist für die Charakteristik unserer Räder und das lässige Dahingleiten durch die Landschaft die perfekte Elektro-Ergänzung“, freut sich Daniel Pulvermüller, Entwicklungschef und Geschäftsführer der Liegeradmanufaktur. Radeln wird zum puren Genuss, insbesondere in Kombination mit der von den Kriftelern bevorzugten Schaltung, der vollautomatischen Di2: Die 8-Gang-Nabenschaltung von Shimano wählt selbsttätig den zur Fahrsituation passenden Gang, legt also zum Beispiel an der Ampel eine kleine Übersetzung auf.

Shimano beschreibt den Steps E5000 als Einsteigermotor insbesondere für den Alltagseinsatz in der Stadt. Mit 2,5 Kilogramm ist der Steps E5000 der kleinste und leichteste Motor des Steps-Programms. Die Nennleistung liegt bei 250 Watt und unterstützt mit einem Drehmoment von 40 Nm bis 25 km/h. Neben den üblichen drei Unterstützungsmodi Eco, Normal und High steht eine Schiebeunterstützung als Anfahrhilfe zur Verfügung. Shimano empfiehlt eine Kombination mit dem elektronischen Schaltsystem Di2. Der Vorteil der Di2 liegt laut Shimano in schnellerem, gleichmäßigerem Schalten mit minimalem Kraftaufwand und beim Einsatz der 8-Gang Di2 Getriebenabe außerdem in einer automatischen Schaltfunktion.  

Ich bin gespannt auf den Vergleich mit dem Steps E8000, den HP-Velotechnik auch im Angebot hat, und freue mich auf eine Testfahrt auf der SPEZI. Der Unterschied beim Drehmoment scheint auf dem Papier deutlich von 40 Nm des E5000 über 60 Nm des E6100 bis auf 70 Nm des E8000. In der Praxis hat mich schon der Unterschied von 50 Nm des E6000 auf 60 Nm des E6100 beim Pino überrascht – das 20% stärkere Drehmoment ist bei Steigungen und beim Beschleunigen doch spürbar.

Jetzt gehts los! (40 km)

Hase Pino mit (alkoholfreien) Bierkisten (Bild: Klaus Dapp)
Hase Pino mit (alkoholfreien) Bierkisten (Bild: Klaus Dapp)

Das Motto „Jetzt gehts los“ gab es in diesem Blog im Dezember 2014 schon einmal. Damals bin ich mit meinem neuen Grasshopper bei Fahrrad Claus in Trebur gestartet. Diesmal startete ich gemeinsam mit der Herzallerliebsten ein ganzes Stück weiter südlich bei der Selbsthilfewerkstatt mit Fahrradladen einzelrad im Ortsteil Haltingen von Weil am Rhein.

Bevor wir losfahren konnten, habe ich mit dem Eigentümer von einzelrad, Herrn Hof, noch die letzten Einstellungen vorgenommen. Als nach einer Stunde die Herzallerliebste nachkam, haben wir auch noch Ihren Sitz eingestellt. Dann ich ich erst einmal alleine losgefahren, um mich an den Motor zu gewöhnen und die Bremen einzubremsen. Nach einigen scharfen Bremsungen hatten sie die gewünschte Leistung.

Schon auf den ersten Metern zeigte sich, dass der STEPS E6100 – Motor wirklich klasse ist. Die Entscheidung, auf diesen Motor zu warten, war richtig – zumal uns Herr Hof ja die Wartezeit durch das Leih-Pino verkürzt hat.

Wir hatten uns das Pino mit dem STEPS E6000 – Motor im letzten Jahr ausgeliehen und waren überrascht, wie stark uns ein kleiner Motor unterstützt. Deshalb haben wir uns auch für eine elektrische Unterstützung entschieden. Ich hatte jedoch starke Zweifel, ob ich mit der Lärmentwicklung glücklich werden würde. Außerdem war ich nicht ganz zufrieden mit dem Abregeln beim Erreichen der Unterstützungsgrenze von 25 km/h. Da wir die Geschwindigkeit in der Ebene öfter erreichen, ist mir das ganz wichtig.Der STEPS E6100 – Motor ist erfreulich leise, insbesondere bei geringer Unterstützung. Außerdem schaltet er sehr dezent ab, wenn wir nicht mehr treten und wenn wir die 25 km/h erreichen. Das Schalten mit der Rohloff-Schaltung müssen wir noch ein bisschen üben. Die Herzallerliebste kann inzwischen so kräftig treten, dass ich ihr ein „Stopp“-Kommando geben muss, damit wir gut schalten können. Das Phänomen hatten wir auch bei der Kettenschaltung. Nur ist die Herzallerliebste erfreulicherweise schon wieder ein bisschen fitter geworden.

Unsere erste Fahrt führte uns durch das von einkaufenden Schweizerinnen und Schweizern überfüllte Weil zum Zoll. Die Herzallerliebste erledigte die Formalitäten für die Einfuhr, was ihr zügig gelang.

Danach fuhren wir zurück zum Radladen einzelrad und montierten noch die letzten Teile. Die Herzallerliebste wollte jetzt wieder heim und war ein bisschen genervt. Aber die Fahrt nach Basel hat sie wieder versöhnt. Außerorts fuhren wir mit geringer Unterstützung. Im Stadtverkehr half uns die Unterstützung, zügig aus den vielbefahrenen Bereichen herauszufahren. Besonderen Spaß hat die Fahrt über die ansteigende Wettsteinbrücke gemacht, die wir mit maximaler Unterstützung mit knapp 25 km/h hochfuhren.

Am Nachmittag fuhr ich noch einmal zum Einkaufen in Weil los. Auf dem Hinweg war ich zu faul, den leeren Kasten mit alkolholfreiem Bier in die Satteltaschen zu verteilen. Während der Fahrt habe ich darüber nachgedacht, was eigentlich dagegen steht, noch einen zweien Kasten zu transportieren. Die beiden Kästen sind mit Sicherheit leichter als die Herzallerliebste und durch Riemen lassen sich die Kästen sicher mit der Sitzlehne fixieren.

Beim Aufladen wurde ich kritisch beäugt. Beim Losfahren hat nur noch der Beifall gefehlt. Die vollen Kästen waren wesentlich leiser als der mit leeren Flaschen gefüllte Kasten auf der Hinfahrt. Das Fahrverhalten war ähnlich dem mit der Herzallerliebsten, nur dass die Bierkästen nicht mittreten. Beim nächsten mal will ich noch Fahren mit Anhänger und die Lastenradtasche Porterbag ausprobieren.

Insgesamt haben wir am ersten Tag knapp 40 Kilometer zurückgelegt und sind begeistert. Wir freuen uns auf die weiteren Touren.

Besondere Nutzung des 5-Punkt-Gurtes von Hases Pino (Bild: Klaus Dapp)
Besondere Nutzung des 5-Punkt-Gurtes von Hases Pino (Bild: Klaus Dapp)
volle Distanz: 37.05 km
Maximale Höhe: 306 m
Minimale Höhe: 253 m
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Sichtbar sein…

Proviz Jacke alt und neu bei Zimmerbeleuchtung (Bild: Klaus Dapp)
Proviz Jacke alt und neu bei Zimmerbeleuchtung (Bild: Klaus Dapp)
Proviz Jacke alt und neu mit Blitzlicht (Bild: Klaus Dapp)
Proviz Jacke alt und neu mit Blitzlicht (Bild: Klaus Dapp)

Nicht erst seit dem Unfall der Herzallerliebsten habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich Fahrradfahren für mich sicherer machen kann. Die Beleuchtung von Autos und Fahrrädern ist in den letzten Jahren immer heller geworden. Leider ist der Leistungsunterschied zwischen zwischen einem Radscheinwerfer und einem Autoscheinwerfer aber eher noch größer geworden. Dadurch ist die Radbeleuchtung alleine gut sichtbar, im Straßenverkehr geht sie jedoch in den Städten fast unter.

Deshalb habe ich mit großem Interesse im letzten Jahr von einer vollreflektierenden Jacke gelesen. Nachdem ich im Laden eine Jacke ohne Kaputze gesehen habe – leider war sie dort mit Kaputze nicht zu bekommen – habe ich mit eine bestellt.

Die rund 100 Euro teure Jacke hat wirklich eine tolle Wirkung. Je heller die Autoscheinwerfer sind, um so mehr reflektiert sie und ist dadurch eigentlich unübersehbar. In der Regel ist der Überholabstand damit tatsächlich etwas größer und auch als Fußgänger werde ich gut wahrgenommen. Bei Tageslicht fällt die Jacke weniger auf und sieht nicht sofort nach Arbeitsschutzkleidung aus.

Ich habe die einfache Version der Jacke. Der Hersteller Proviz sieht als Belüftung die Taschen auf der Vorderseite und die Schlitze unter den Achseln sowie auf der Rückseite vor. Für kurze Strecken wie meine tägliche drei Kilometer Fahrt zum Bahnhof reicht das aus. Bei längeren Strecken komme ich ziemlich ins Schwitzen. Proviz bietet auch eine – teurere – und nach Herstellanangaben atmungsaktivere Version der Jacke an.

Ich habe die Jacke von Anfang Oktober bis Ende März fast täglich getragen. In der Regel hatte ich dabei einen Rucksack auf. Nach der Saison waren an den Schultern erste Abnutzungsspuren zu erkennen. Diese vergrößerten sich in diesem Winter erheblich. Deutlich erkennbar ist, dass ich den Rucksack zuerst auf der rechten Seite aufziehe …

Nutzungsspuren an der Jacke durch den Rucksack (Bild: Klaus Dapp)
Nutzungsspuren an der Jacke durch den Rucksack (Bild: Klaus Dapp)
Nutzungsspuren an der Jacke durch den Rucksack mit Blitzlicht (Bild: Klaus Dapp)
Nutzungsspuren an der Jacke durch den Rucksack mit Blitzlicht (Bild: Klaus Dapp)

Inzwischen gibt es auch bunte Jacken, die Tags deutlicher auffallen. Bei Nacht reflektieren sie jedoch deutlich geringer. Für den Helm der Herzallerliebsten habe ich einen gelben Bezug gekauft, der reflektiert. Auf dem Pino haben wir damit eine ganz gute Wirkung von vorne. Für mich habe ich bei der Ersatzbeschaffung für die Jacke dieses Jahr das Black Friday-Angebot von Proviz genutzt und je eine „klassische“ Jacke mit und ohne Kaputze gekauft.

Helmüberzug im Tageslicht (Bild: Klaus Dapp)
Helmüberzug im Tageslicht (Bild: Klaus Dapp)
Helmüberzug mit Blitzlicht (Bild: Klaus Dapp)
Helmüberzug mit Blitzlicht (Bild: Klaus Dapp)

Leider suche ich schon länger ohne Erfolg nach einer Alternative zum Rücksack. Das würde die Lebensdauer der Reflexionsjacken sicher deutlich erhöhen.

Eurobike 2018 – Neues bei HP Velotechnik (9.030 km)

Stand von HP-Velotechnik bei der Eurobike 2018 (Bild: Klaus Dapp)

Stand von HP-Velotechnik bei der Eurobike 2018 (Bild: Klaus Dapp)

Eigentlich wollte ich in diesem zweiten Teil meines Berichts von der Eurobike über Neuigkeiten im Liegeradbereich schreiben – aber die habe ich nur beim Stand von HP Velotechnik gesehen. Es sind dieses Jahr AZUB und HP Velotechnik auf die Eurobike gekommen. AZUB hat einige seiner bewährten Modelle gezeigt und dafür gesorgt, dass der Liegeradbereich als eigener Bereich überhaupt wahrnehmbar wurde. Die Velomobilausstellung war „ums Eck“, so dass die Besucherinnen und Besucher sie erst einmal finden mussten. Aber zum Messekonzept 2018 habe ich im letzten Beitrag alles gesagt.

Stand von AZUB bei der Eurobike 2018 (Bild: Klaus Dapp)

Stand von AZUB bei der Eurobike 2018 (Bild: Klaus Dapp)

Im Mittelpunkt der Vorstellung bei HP stand die E-Bike-Version des Scorpions mit einer elektrischen Unterstützung bis 45 km/h und das Einsteiger-Modell des Gekko.

Mindestens ebenso interessant sind aber sicher die zusätzlichen Motoren. Die Nachfrage nach einer Kombination von Rohloff-Schaltung und Motor war so relevant, dass es als Alternative zum GO Swissdrive auch die Kombination aus Shimano E8000 Motor und Rohloff-Schaltung anbietet.

Das zeigt, dass es – auch im Liegeradbereich – auch eine Nachfrage nach sehr hochwertigen Produkten gibt.

Das neue schnelle E-Bike-Scorpion von HP Velotechnik „Blinker links“ (Bild: Klaus Dapp)

Das neue schnelle E-Bike-Scorpion von HP Velotechnik „Blinker links“ (Bild: Klaus Dapp)

Die elektrisch betriebene Hupe – eine Voraussetzung für die Zulassung als E-Bike mit Unterstützung bis 45 km/h (Bild: Klaus Dapp)

Die elektrisch betriebene Hupe – eine Voraussetzung für die Zulassung als E-Bike mit Unterstützung bis 45 km/h (Bild: Klaus Dapp)

Dazu passt die E-Bike-Version des Scorpions, das die Modellpalette von HP nach oben abrundet. Durch die Unterstützung bis 45 km/h gilt es als Kraftfahrzeug und muss damit eine Vielzahl von Regelwerken einhalten. Dazu gehört der Blinker, den HP entwickelt hat, ebenso wie eine Wegfahrsperre, die einfach in Form eines Rahmenschlosses und umfasst eine optische Ölstandskontrolle für die Hydraulikbremse und eine elektrische Hupe. Viele Kleinigkeiten, die viel Arbeit machen. Es bleibt zu hoffen, dass durch die Anforderungen und die daraus resultierenden Entwicklungen auch insgesamt Verbesserungen erreicht werden können. Als Beispiel dafür kann der Blinker gelten, der nicht nur für die E-Bike Version nachgefragt wird, sondern auch an anderen Modellen gute Dienste leistet.

Das neue Einsteiger-Gekko von HP-Velotechnik (Bild: Klaus Dapp)

Das neue Einsteiger-Gekko von HP-Velotechnik (Bild: Klaus Dapp)

Aber HP schaut nicht nur an das obere Ende der Produktpalette. Mit dem Gekko 26 soll eine ganz neue Zielgruppe angesprochen werden. Das ist in den USA, wo ein vergleichbares Konzept seit dem letzten Jahr von HP ausprobiert wurde, sehr gut angekommen. Es entspricht auch mehr dem dortigen Kaufverhalten – in den Laden, anschauen und mitnehmen… statt konfigurieren, bestellen, zur Zeit rund 7 Wochen warten und nach langer Zeit der Vorfreude endlich fahren.

Im neuen Design / Glanz – der Grasshopper von HP Velotechnik (Bild: Klaus Dapp)

Im neuen Design / Glanz – der Grasshopper von HP Velotechnik (Bild: Klaus Dapp)

Ich bin gespannt, ob das Konzept auch in Deutschland gut ankommt. Gute Erfahrungen mit einem ähnlichen Konzept hat Hasebike mit dem Trigo gemacht. Meiner Sorge auf eine Verschiebung innerhalb des Verkaufssegments hin zu einfacheren Rädern begegnete Alexander Kraft, Pressesprecher von HP Velotechnik, mit dem Hinweis auf die gute Auslastung mit langen Lieferzeiten. Ich bin gespannt, wie die Entwicklung weitergeht.

Eindrücke von der Eurobike 2018 (9.030 km)

Besucherrad am Eingang der Eurobike 2018 (Bild: Klaus Dapp)

Besucherrad am Eingang der Eurobike 2018 (Bild: Klaus Dapp)

Offensichtlich gehört Verkehrschaos dazu, wenn ich auf die Eurobike fahre. Da habe ich die Herzallerliebste – auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin – um 5:20 Uhr geweckt und wir haben schnell einen Kaffee getrunken. Dann bin ich durch das noch schlafende Basel zum Zug geradelt … um eine lange Geschichte kurz zu fassen. Der letzte Zug nach Basel am Vortag ist in Basel nicht funktionsfähig angekommen. Da musste dann erst ein Ersatzzug beschafft werden, der dann nur auf einem kleinen Abschnitt fuhr. Statt direkt in zweieinhalb Stunden ans Ziel zu kommen, brauchte ich gute vier Stunden und musste dreimal umsteigen und kein Klo funktionierte. Aber alles hat auch sein gutes: Inzwischen habe ich Übung mein neues Brompton Faltrad zu falten.

Endlich in Friedrichshafen angekommen, konnte ich diesmal direkt zur Messe hinradeln. Dabei ist mir aufgefallen, wie wenig am Bahnhof und in den Straßen zur Messe los war – und ich war immer an den Fachbesuchertagen da Und da herrsche immer Chaos – allerdings war ich diesmal deutlich später.

Dass die Messe dieses Jahr ein Problem hat, zeigte sich aber auch schon in der letzten Woche. Da hat die Messe Friedrichshafen angekündigt, dass die nächste Eurobike zu einem späteren Termin – nämlich vom 31. Juli 2019 bis 3. August 2019 stattfinden soll. Die ersten Tage sind nur für Fachpublikum und am Samstag den 3. August 2019 ist wie 2017 und in den Jahren zuvor auch die Öffentlichkeit zugelassen. Damit liegt der Termin zwar immer noch in der Saison und bildet nicht wie in den Jahren vor 2018 am Saisonende.

In einer Presseerklärung zum Termin 2019 der Eurobike (Messe Friedrichshafen) feiert die Messe den Publikumstag, der 2018 abgeschafft wurde, als große Bereicherung. Ich wollte vom Pressesprecher der Messe, Frank Gauss, wissen, was diesen Meinungsumschwung bewirkt hat. Er teilte mir mit, dass etliche Industriepartner, die die Änderungen in 2018 gewünscht haben, ihre Meinung verändert haben. Ich habe nicht nachgefragt, wie eine solche Meinungsänderung erfolgt, ohne dass das „neue“ Modell 2018 erst einmal getestet wurde. Auf meinen Hinweis, dass der Termin für viele Bundesländer und angrenzende Nationen in den Schulferien liegt, merkte er an, dass das Schulferien-Thema bedacht wurde und es keinen sinnvollen Termin außerhalb der Schulferien gebe und Bayern sowie Baden-Württemberg noch keine Schulferien hätten. Außerdem wollte ich wissen, ob es wieder einen Schwerpunkt Liegeräder geben wird, wie beispielsweise in 2017. Hier teilte er mit, dass die Schwerpunkte noch nicht definiert sind und jetzt mit den Industriepartnern gemeinsam erarbeitet werden. Dabei sei ausschlaggebend, wie stark sich die einzelnen Firmen im Liegeradbereich engagieren bzw. überhaupt wieder auf der Eurobike ausstellen. Er wies in dem Zusammenhang aber noch einmal auf den Publikumstag und die aus Sicht der Messe verbundenen Emotionen hin. Ich bin gespannt.

An einigen Ständen habe ich auch nach dem Messekontakt gefragt. Teilweise wurde dann auf Firmen hingewiesen, die erst gar nicht gekommen sind, und auf gefühlt weniger Interessierte, was auf den Termin 2018 mitten in der Saison zurückgeführt wurde. Ich habe niemanden gefunden, der das Konzept 2018 geht fand – aber ich habe natürlich auch keine repräsentative Umfrage gemacht sondern die für mich interessanten Stände besucht.

Werbung auf der Toilette (Bild: Klaus Dapp)

Werbung auf der Toilette (Bild: Klaus Dapp)

Sexistische Werbung habe ich diesmal keine gesehen – zumindest auf der Herrentoilette ging es diesmal sehr bieder zu.

An dieser Stelle ein besonderer Dank an Mirjam Reisch von der Messe Friedrichshafen, die mir auch einen spontanen Telefonkontakt zu Frank Gauss als Pressesprecher hergestellt hat, und Gunnar Fehlau vom pressedienst-fahrrad, die beide gemeinsam die Blogger betreuten. Ich hoffe ich kann nächstes Jahr mehr vom Blogger-Programm nutzen.

ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork auf einer virtuellen "Protected Bikelane" (Bild: Klaus Dapp)

ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork auf einer virtuellen „Protected Bikelane“ (Bild: Klaus Dapp)

Meinen inhaltlichen Start hatte ich am Stand des ADFC. Eigentlich wollte ich nur ein Lebkuchenherz gewinnen bei einer Fahrt auf einer virtuellen „Protected Bikelane“ … dann traf ich den Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork und wir plauschten kurz. Manchmal lässt sich in meinem Bereich berufliches und privates eben doch nicht trennen.

Im Liegeradbereich war außer HP Velotechnik und AZUB kein relevanter Hersteller auf der Messe. Ich habe deshalb einen ausgedehnten Besuch bei HP Velotechnik gemacht, über den ich einen eigenen Beitrag schreibe, und mir dann noch Zubehör angeschaut. Leider hatte ich mal wieder weniger Zeit als notwendig, deshalb nur ein paar – teilweise im Wortsinn – Highlights.

Reflektierende Rainleg (Bild: Klaus Dapp)

Reflektierende Rainleg (Bild: Klaus Dapp)

Es gibt die Rainlegs jetzt in einer vollreflektierenden Version. Sozusagen ein leuchtender Lendenschurz. Ich finde die Rainlegs sowieso schon großartig. Beim Aufrechtrad ersetzen sie für kurze Wege auch bei starkem Regen eine Regenhose und auf dem Grasshopper nutze ich sie in Kombination mit Gamaschen für die Schuhe. Das hat den Vorteil, dass ich viel weniger schwitze als in einer „richtigen“ Regenhose. Das hat natürlich Grenzen. Aber gerade an warmen Tagen bin ich lieber vom Regen an den Waden und ggf. von unten nass als in der Regenhose rumzuschicken. Die neue gefütterte Version der Rainlegs werde ich wohl nicht brauchen. Aber bei sehr tiefen Temperaturen kann dass vielleicht auch eine Idee sein.

Gut sichtbare Helme (Bild: Klaus Dapp)

Gut sichtbare Helme (Bild: Klaus Dapp)

Das Thema Sichtbarkeit wird auch von Alpina angesprochen. Am Stand wurde unter „Be visable“ eine gelbe Edition unterschiedlicher Modelle vorgestellt. So unnötig ich in der Regel zusätzliche Warnwesten finde, so sinnvoll halte ich es auffällig zu sein.

Miniaturisierung von Rücklichtern (Bild: Klaus Dapp)

Miniaturisierung von Rücklichtern (Bild: Klaus Dapp)

Mit Sorge sehe ich den Trend zur Miniaturisierung der Beleuchtung. Busch & Müller hat stolz das kleinste zugelassene Rücklicht präsentiert. Auf meine Nachfrage hat eine Mitarbeiterin angedeutet, dass damit ein spezieller Markt bedient werden soll, der Wert auf puristisches auftreten hat. Dies zeigten auch Entwicklungen bei anderen Herstellern. Zum Glück wird aber auch die Entwicklung von großflächigen und leuchtstarken Rücklichtern fortgesetzt. Hier hat Busch & Müller mit dem Bremslicht eine meiner Meinung nach wichtige Pionierarbeit geleistet.

Teststrecke des Bosch ABS (Bild: Klaus Dapp)

Teststrecke des Bosch ABS (Bild: Klaus Dapp)

Sehr spannend fand ich auch die eindrückliche Vorführung des Antiblockiersystems, das Bosch für elektrisch unterstützte Fahrräder anbietet. Da zeigt sich, für was sich die vielen Sensoren der Unterstützung noch nutzen lassen.

Anhänger Carry M von Roland (Bild: Klaus Dapp)

Anhänger Carry M von Roland (Bild: Klaus Dapp)

Bei Roland habe ich mich gefreut, wie schön inzwischen der Carry M geworden ist. Da wurde wirklich über Jahre Produktpflege betrieben. Auch angetrieben durch inzwischen viele innovative Hersteller, die den traditionellen Karren mit Obenkupplung doch deutlich in den Hintergrund gedrängt haben. Auch wenn Roland noch immer die Option bietet, wie im Bild die Deichsel umzustecken und den Wagen dann von Hand zu ziehen.

Regen-Strampelanzug von VAUDE (Bild: Klaus Dapp)

Regen-Strampelanzug von VAUDE (Bild: Klaus Dapp)

Bei Vaude habe ich einen Regen-Strampelanzug entdeckt. Leider gab es kein Proberad, auf dem sich das mal ausprobieren ließ. Ich kann mir nicht vorstellen, dass – vor allem beim Liegerad – da immer irgendwo was zieht.

Smartes Schloss von ABUS (Bild: Klaus Dapp)

Smartes Schloss von ABUS (Bild: Klaus Dapp)

ABUS hat ein neues smartes Bügelschloss vorgestellt. Ich gebe offen zu, ich bin da immer etwas skeptisch. Aber ich muss zugeben, die haben sich eine ganze Menge einfallen lassen. Das wichtigste zuerst: Mechanisch entspricht das Schloss dem Level 15, d.h. dem höchsten Standard. Als Start wird nur ein Bügelschloss angeboten. Wenn es entsprechende Nachfrage gibt, sind weitere Produkte wie das Faltschloss, das es bereits mit Alarmanlage gibt, angedacht. Das Schloss wird über eine App genutzt. Mit dieser wird das Schloss initialisiert und administriert. Es können bis zu acht Mobiltelefone eine Zugangsberechtigung bekommen. Damit kann auf elektronischem Weg die bisherige Option der gleichen Schlüssel erreicht werden. Die Datenübertragung erfolgt mit Bluetooth in einem Abstand von ca. 2 Metern. Das Schloss bekommt das Signal zu öffnen und verschließt automatisch, wenn es das Signal verliert. Fahrräder am Schloss aufhängen wird dann wohl etwas schwieriger. Ist das Schloss verriegelt und wird bewegt, löst es einen Voralarm aus. Erfolgen weiter Bewegungen, folgt der Hauptalarm. Ist der Akku des Schlosses leer, bleibt das Schloss verriegelt und muss erst wieder über eine USB-C-Buchse geladen werden. Allerdings informiert die App über den Ladezustand, so dass dies eigentlich nicht überraschen passieren sollte. Der Akku ist auf eine Lebensdauer von 8 bis 10 Jahren kalkuliert. Es soll ab April 2019 lieferbar sein und rund 200 Euro kosten. Damit ist es noch etwas höherpreisiger als die sonstigen hochwertigen Schlösser. Dies relativiert sich jedoch durch den Aufpreis für die gleiche Schließung bei mehreren Schlössern, was sich bei mir mit mehreren Fahrrädern auch der Herzallerliebsten schon oft bewährt hat. Da ABUS einen Ruf zu verlieren hat ist zu hoffen, dass die Manipulationsmöglichkeiten gering sind – es ist fest davon auszugehen, dass die ersten Modelle auch als Ansporn zum Hacken dienen. Das gilt allerdings auch für das Lockpicking. Keine Verbesserung bringt das Schloss jedoch, wenn wie bei mir geschehen, Nachts mit einem Akku-Trennschleifer versucht wird, das Schloss aufzubrechen. Das macht einen Höllenlärm, der sicher lauter als der Alarm ist. Dann hilft nur Qualität des Materials, damit genug Zeit für die Nachbarn bleibt, die Polizei zu rufen und die Diebe zu verjagen.

Für mehr außerhalb des Berichts über HP hatte ich leider zu wenig Zeit … oder aber es gab im Vergleich zur letzten EUROBIKE nichts wirklich neues, da durch den frühen Termin einfach zu wenig Zeit für die Hersteller blieb… oder aber einfach „nur“ Produktpflege gemacht wird wie bei Rohloff, die eben gerade nicht darauf angewiesen sind, ständig „Neues“ zu haben. Hier wird bewährtes weiterentwickelt und neue Anwendungsfelder erschlossen.

Im Liegen zum Erfolg (7.513 km)

Mein neues altes Toxy-Liegerad im Wohnzimmer (Bild: Klaus Dapp)

Mein neues altes Toxy-Liegerad im Wohnzimmer (Bild: Klaus Dapp)

Nach meinen ersten positiven Erfahrungen mit dem Fahren auf der Rolle habe ich mich dazu durchgerungen, Geld zu investieren. Denn es braucht doch einige Disziplin, nach einem langen Tag noch einmal in den Keller zu gehen und aufs Rad zu sitzen.

Deshalb habe ich mir ein gebrauchtes Toxy-Liegerad gekauft und ins Wohnzimmer gestellt. Das ist schon eine ziemlich Rübe … aber all zu teuer sollte es ja nun auch wieder nicht sein. In den letzten Wochen habe ich es damit aber immerhin geschafft, meist drei mal pro Woche jeweils ein halbes Stündchen zu kurbeln.

Der Start war ein bisschen schwierig. Ich hatte die Matte untergelegt, die ich auch im Keller verwendet hatte. Dabei habe ich nicht an den schwimmenden Estricht und die Fußbodenheizung gedacht. Nach zwei Abenden stand ein entnervter Nachbar vor der Tür und wollte wissen, was ich da mache. Da hat sich wohl der Schall über den Boden besser übertragen als durch die Luft.

Jetzt habe ich zwei Gummimatten aus dem Baumarkt untergelegt, mit denen die Schwingungen und der Lärm von Waschmaschinen gedämpft werden soll. Das macht das ganze doch viel ruhiger.

Was mich sehr freut, sind die ersten Erfolge. Zum einen habe ich es innerhalb der kurzen Zeit geschafft, zumindest soweit abzunehmen und meine Kondition zu verbessern, dass ich den amtsärztlichen Test für eine Verbeamtung auf Probe bestanden habe. Wenn ich das halbwegs konsequent durchziehe, sollte ich es auch schaffen, die Folgen des Bewegungsmangels ein wenig zu vermindern.

Mindestens genau so wichtig ist mich aber der verhinderte winterliche Liegeradmuskelschwund. Nach meinen ersten Fahrten hatte ich kein Muskelkater wie in den Vorjahren und ich bin auch vom Fleck gekommen … nur die Nackenmuskulatur wird nicht trainiert, so dass ich nach den ersten Fahrten doch ein wenig Nackenschmerzen hatte. Aber das wird sich hoffentlich nach ein paar echten Fahrten auch erledigen.

Ein schöner Nebeneffekt ist, dass ich gemütlich im Wohnzimmer sitze, wegen des fehlenden Fahrtwindes kräftig vor mich hinschwitze und wieder Bücher lese. Ich bin doch erschrocken, wie viele ungelesene Bücher noch im Regel stehen. Da kann ich noch eine ganze Zeit lang weitertrainieren.

Alles neu … macht die Jahresinspektion (7.463 km)

Servicerad vor überreiftem Getreidefeld (Bild: Klaus Dapp)

Servicerad vor überreiftem Getreidefeld (Bild: Klaus Dapp)

Da wollte ich mich auf der Hinfahrt zu meinem Radladen drücken und zumindest den Großteil mit dem Zug fahren … und dann fuhr wegen Bauarbeiten nur ein Schienenersatzverkehr. Damit ich das ausgeliehene Servicerad nicht ebenso einsaue wie meinen Grasshopper auf der Hinfahrt, habe ich asphaltierte Wege genommen. Das hat auch fast geklappt und so sah das Servicerad noch fast so aus wie beim Abgeben des Grasshoppers. Im übrigen ein guter Service – vielleicht gibt es ja auch mal Service-Liegeräder, dann tut mir der Hintern auch nicht weh 😉

Bei der Rückfahrt mit meinem frisch gewarteten Grasshopper war ich nicht ganz so erfolgreich beim Umfahren von Pfützen und Schlamm, do dass der schon wieder richtig nach benutztem Rad aussieht. Hoch erfreut war ich, dass ich zügig vorankam und keinen Muskelkater hatte – vielleicht sind das schon die ersten positiven Wirkungen des Trainings?

Wieder daheim - eingesauter Grasshopper (Bild: Klaus Dapp)

Wieder daheim – eingesauter Grasshopper (Bild: Klaus Dapp)

Fast hätte ich diesen Beitrag mit „der große Schreck“ überschrieben. Denn ich muss schon zugeben, dass ich kräftig erschrocken bin, als ich den Kostenvoranschlag freigeben sollte … mehr als 500 Euro waren für die Inspektion und die notwendigen Reparaturen vorgesehen.

Abgenutzte vordere Bremsscheibe (Bild: Klaus Dapp)

Abgenutzte vordere Bremsscheibe (Bild: Klaus Dapp)

Was war passiert? Eigentlich nichts wirklich überraschendes – nur hatte ich gehofft, dass das nicht schon nach guten drei Jahren bzw. knapp 7.500 Kilometer soweit ist.

  • Die Kette hatte sich gelängt und damit war es auch sinnvoll, die Kettenschutzrohre zu tauschen.
  • Die vordere Bremsscheibe musste getauscht werden, was nach zweimaligem Wechsel der Bremsbeläge nicht ganz überraschend kam.
  • Die Kugelgelenkköpfe an der indirekten Lenkung am Untenlenker hatten Spiel, was mir beim Fahren noch nicht aufgefallen war. Da das , aber da das auf jeden Fall zu den sicherheitsrelevanten Teilen gehört und ich – vor langen Jahren – schlechte Erfahrungen gemacht habe, bin ich froh, dass das aufgefallen ist.

Dazu kam die normale Inspektion mit Ölwechsel der Rohloffschaltung. Deshalb habe ich die Gesamtrechnung nach dem ersten Schreck nachvollziehen können und bin froh, dass jetzt alles wieder läuft. Und durch das Umdrehen des hinteren Ritzels konnte ich gegenüber dem Kostenvoranschlag doch noch etwas sparen.

Kugelgelenkkopf für die indirekte Lenkung (Bild: Klaus Dapp)

Kugelgelenkkopf für die indirekte Lenkung (Bild: Klaus Dapp)

Neue Mäntel liegen daheim schon bereit, damit es eine möglichst pannenfreie Saison gibt. Mal sehen, wann ich dazu komme, die zu montieren.

volle Distanz: 25.31 km
Maximale Höhe: 161 m
Minimale Höhe: 12 m
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Gute Vorsätze 2018 (7.411 km)

Grasshopper auf der Trainingsrolle im Fahrradkeller (Bild: Klaus Dapp)

Grasshopper auf der Trainingsrolle im Fahrradkeller (Bild: Klaus Dapp)

Schon nach unserer Radtour im Sommer habe ich mir fest vorgenommen, dass ich mehr im Training bleiben will. Es macht dann einfach auch schon am Anfang einer Tour mehr Spaß. Ganz besonders im dem Winter ist der innere Schweinehund meist ziemlich stark. Da ist es zu kalt, nass, dunkel … sprich es gibt zu viele Ausreden, um sich nach der Arbeit noch ein Stündchen aufs Rad zu setzen. Und spätestens im Frühjahr bei der ersten längeren Strecke ist dann wieder die Verwunderung groß, dass es spezielle Liegeradmuskeln gibt – für Kennerinnen und Kenner, genau die „auf“ den Oberschenkeln.

Deshalb habe ich mich im Herbst umgeschaut, ob es Hometrainer in „Liegeradform“ oder Rollen gibt, die für den Grasshopper geeignet sind. Hometrainer in „Liegeradform“ habe ich nur im Reha-Bereich gesehen – dann allerdings so riesig und hochpreisig, dass ich das abhaken musste. Am spannendsten hätte ich ein Trainingsgerät gefunden, dass ich für Rennräder gesehen habe. Dort wird das Hinterrad ausgebaut und dann das Rad direkt über die Kette verbunden. Leider geht das nur mit „großen Rädern“ und ist auch nicht wirklich günstig.

Also suchte ich nach einer „normalen“ Rolle für kleine Räder zu einem kleinen Preis. Spezielle Trainingsfunktionen wie Simulationen von klassischen Radrennen, eine Teamfunktion oder Wettkampffunktionen per App schienen mir nur unnützer Schnickschnack zu sein.

Eine intensive Internetrecherche zeigt, dass solche Rollen nur für Räder mit mehr als 20 Zoll angeboten werden. Ich war schon ziemlich angenervt, als ich auf der Internetseite von Decathlon fündig wurde. Dort fand ich ein Angebot, das preislich meinen Vorstellungen entgegenkam – und noch wichtiger – auch für 20 Zoll Räder geeignet sein sollte.

Nach kurzem Ringen, ob ich so was wirklich im Internet bestellen sollte, habe ich mich dazu entschlossen. Es kam wie es kommen musste. Erst einmal wurde die Sendung in zwei Sendungen aufgeteilt. Die eine landete nach wenigen Tagen in einem Paketshop und musste innerhalb der Öffnungszeiten abgeholt werden. Die andere Sendung landete bei einem Nachbarn. Nach zwei Wochen hatte ich dann alle Pakete beisammen und wollte mich endlich ans Aufbauen machen. Leider stand in der Anleitung Nichts mehr von 20 Zoll Rädern. Stattdessen wurde präzise beschrieben, wo für 29, 28 und 26 Zoll Räder die Rolle montiert werden sollte. Ich war ziemlich sauer und kurz davor, den ganzen Kram zurückzuschicken. Vor allem als ich nachprüfte, ob ich mich vielleicht vertan hatte und auf der Internetseite explizit von 20 Zoll Rädern die Rede war … und außerdem, das Modell um 50 Euro auf 150 Euro reduziert angeboten wurde.

Ich wandte mich also an den Decathlon-Service und frage, wie ich denn jetzt das Teil montieren soll. Ich bekam quasi umgehend eine Mail, dass die Anfrage an ein spezielles Kundencenter weitergeschickt wurde … dann passierte Nichts. Nach mehr als zwei Wochen fragte ich dann nach. Nach einigen Mails zur Erklärung meines Problems bekam ich dann den Hinweis, ich möge doch beim Hersteller nachfragen. Super! Erst als ich dann ziemlich sauer zurückschrieb, dass Decathlon das Teil mit der Eigenschaft „kompatibel zu 20 Zoll“ verkauft und dann ja wohl dafür zuständig sei, dass das auch funktioniert, kam der Service seiner Aufgabe nach. Und einige Tage später erhielt ich die Antwort, dass ich die Rolle mit der Position für 26 Zoll Räder montieren soll.

Als ich dann endlich wieder Zeit hatte, machte ich mich auf und wieder Erwarten ließ sich die Rolle dann auch rasch montieren und das Rad einsetzen. Voller Misstrauen setzte ich mich darauf und konnte erfreut feststellen, dass ich nicht umfalle. Auf Grund der anderen Krafteinwirkung im Vergleich zum Rennrad ist das ganze zwar ein wenig wackelig, aber das darf jetzt wirklich keine Ausrede mehr sein.

Hinterrad auf der Rolle (Bild: Klaus Dapp)

Hinterrad auf der Rolle (Bild: Klaus Dapp)

Die ersten 15 Minuten haben gut funktioniert … nur dass es furchtbar langweilig ist, im Fahrradkeller zu sitzen und zu kurbeln. Beim zweiten mal habe ich mir Kopfhörer mitgebracht und Musik gehört. Das ist dann ziemlich dekadent, mit geschlossenen Augen und an die Kopfstütze gelehnt zu pedalieren.

Inzwischen habe ich schon einige Einheiten hinter mir – mit einem Buch zum Lesen. Das geht wohl nur auf dem Liegerad… und ist dann noch ein Vorteil, den ich bisher bei Fragen, warum ich Liegeradfahre, noch nie erwähnt habe.