Archiv der Kategorie: Reparaturen / Umbau

Satteltausch & Neuer Netzsitz von HP (3.290 km)

Neuer Ergon Sattel auf dem Pino (Bild: Klaus Dapp)
Neuer Ergon Sattel auf dem Pino (Bild: Klaus Dapp)

Machmal gibt es schon merkwürdige Zufälle. Am selben Tag als ich zum Schutz meines geplagten Hinterns auf dem Pino einen neuen Sattel bestellt habe, erreichte mich die Information über das neue Sitzsystem von HP Velotechnik.

Unter dem bescheidenen Titel „Sitzen wie Gott in Frankreich“ informiert HP-Velotechnik über den neuen Komfortsitz für die Street- und Speedmachine und den Scorpion.

Scorpion Plus 26 mit ErgoMesh Premium-Sitz (Bild: HP-Velotechnik)
Scorpion Plus 26 mit ErgoMesh Premium-Sitz (Bild: HP-Velotechnik)

Beim ersten Blick dachte ich erst an einen Gamer-Sitz. Und auf dem Scorpion mit Display ist der Gedanke vielleicht nicht ganz falsch. Aber ich bin ehrlich gespannt, mal auf einem solchen Sitz zu sitzen, der sieht schon sehr bequem aus.

Ich bin von den Netzsitzen bei meinen Liegerädern abgekommen, da ich immer schief darauf gesessen bin und keinen guten Seitenhalt hatte. Außerdem habe ich immer das Netz durchgeschwitzt. Mit dem Schalensitz Bodylink auf dem Grasshopper bin ich zufrieden, auch wenn so langsam mal ein Tausch des Bezugs fällig ist. Nach knapp 10.000 Kilometern und meinem nicht gerade zarten Gewicht kann ich darüber nicht klagen. Der Bodylink gibt mir halt und der „Schwitzstreifen“ am Rücken fällt deutlich kleiner aus als bei den Netzsitzen zuvor.

Allerdings ist der neue Komfortsitz auch nicht mit dem Netzsitz eines Peer Gynt oder Ostrades zu vergleichen. Da stecken eine ganze Menge guter Ideen drin, die ich hoffentlich bald einmal ausprobieren kann. Das gute für mich ist, dass ich gar keine Angst um meinen Geldbeutel haben muss, da der Sitz beim Grasshopper nicht passt. Knapp 600 Euro bei einer Nachrüstung sind schon ein Wort – 200 Euro Aufpreis bei einem neuen Modell schon eher verkraftbar.

Mich freut, dass sich HP damit weiter auch im Spitzensegment engagiert. Meine Sorge, dass mit den Special Edition Modellen die Vielfalt sinken könnte, sind wohl unbegründet. Hoffentlich gibt es 2021 wieder eine Spezi, auf der sich die Neuigkeiten ausprobieren lassen. Bei den Testfahrten mit dem neuen Sattel auf dem Pino konnte ich bei Einzelrad in Weil schon einmal einen Blick auf das neue Pino werfen … das sieht auch spannend aus. Und eines ist auch klar. Der neue Sattel auf dem Pino ist deutlich bequemer … aber so komfortabel wie ein Liegeradsitz ist er natürlich nicht.

Neue Kette für Drei (3.206 km)

Alte und neue Kette (Bild: Klaus Dapp)
Alte und neue Kette (Bild: Klaus Dapp)

Schon vor unserer Basel-Schwarzwald-Tour war mir aufgefallen, dass die hintere Kette des Pino sich deutlich gelängt hatte. Deshalb habe ich mir vorgenommen, diese nach unserer Reise zu tauschen.

Ich habe es bisher noch nicht erlebt, dass nach weniger als 2.000 Kilometern eine Kette so stark gelängt ist. Allerdings hatte ich auch noch nie eine Kette, die die Kraft von zwei Personen und dem Motor übertragen hat.

Ich bin gespannt, ob die neue Kette länger hält – Wippermann beschreibt sie mit:

„Ihre Stärken spielt die 7R8 vor allem im Einsatz auf Schwerlasträdern und Touringbikes aus – eben überall, wo extreme Kräfte auf die Fahrradkette wirken. Die verstärkte Kette und das gebuchste Gelenk bieten zusätzlich eine noch längere Lebensdauer.“

Auf den ersten Kilometern ist mir bei größerer Belastung ein Rasselgeräusch aufgefallen, das ich noch nicht lokalisieren kann. Ich hoffe, dass das nur „Einfahrgeräusche“ sind…

Schachtel der neuen Wippermann-Schwerlastkette 7R8 (Bild: Klaus Dapp)
Schachtel der neuen Wippermann-Schwerlastkette 7R8 (Bild: Klaus Dapp)

30 Minuten für mehr Überblick (1.213 km)

Pino mit neu montierter Halterung am Lenker (Bild: Klaus Dapp)
Pino mit neu montierter Halterung am Lenker (Bild: Klaus Dapp)

Oft sind es Kleinigkeiten, mit denen sich gute Produkte doch noch deutlich verbessern lassen. Eine solche Kleinigkeit konnte ich heute mit Hilfe von Herrn Ruf (http://www.einzelrad.de) in einer knappen halben Stunde am Pino erledigen. So lange bzw. kurz hat es gedauert, bis die neue Display-Halterung montiert war. Ein großes Lob an Hase! Die Kabel waren alle mit der notwendigen Reserve verlegt, so dass der Umbau wirklich keine große Aktion war.

Jetzt habe ich einen freien Blick auf das Display und kann auch bei angehängtem Wassersack und bei nicht optimalen Lichtverhältnissen die Informationen ablesen. Mir geht es da weniger um „Sportdaten“ sondern eher um lebenspraktische Fragen wie die noch verfügbare Reichweite der elektrischen Unterstützung. Wieder ein bisschen mehr Spaß beim Radfahren.

Zur Spitze Basels und andere Ausflüge (408 km)

Fernsehturm auf der St. Chrischona (Bild: Klaus Dapp)
Fernsehturm auf der St. Chrischona (Bild: Klaus Dapp)

Am Christi Himmelfahrt sind wir mit dem Pino auf Basels Hausberg St. Chrischona gefahren. Auf 522 m. ü. NN steht nicht nur der Fernsehturm sondern auch die Kirche mit gleichem Namen.

Danke unserem Motor hatten wir kein Problem mit der an manchen Stellen kräftigen Steigung. Ein Klick am Lenker und schon lässt sich die Unterstützung steigern. Dabei ist der Motor zwar zu hören, nervt aber nicht. Oben angekommen genossen wir den Blick über die Gegend. Nur der Alpenblick hat nicht funktioniert.

Die Abfahrt war klasse und die Bremsen sind wirklich zuverlässig. So dass wir uns nicht den Berg runterzittern sondern mit viel Spaß fahren.

Blick von der St. Chrischona in Richtung Alpen (Bild: Klaus Dapp)
Blick von der St. Chrischona in Richtung Alpen (Bild: Klaus Dapp)
Schautafel über die Alpengipfel (Bild: Klaus Dapp)
Schautafel über die Alpengipfel (Bild: Klaus Dapp)

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich nur Spargel und Erdbeeren einkaufen. Das konnten wir gut mit einer kleinen Dreiländertour kombinieren. Als wir an einer Gastwirtschaft zum Mittagessen anhielten trafen wir auf ein Ehepaar auf einer Radtour auf Grasshoppern, die uns erzählten, dass Sie auf einem Pino geheiratet hatten. Ich war so perplex von der Begegnung, dass ich leider versäumt habe zu fragen, ob sie das Pino noch haben und warum sie mit den beiden Grasshoppern unterwegs sind. Nach dem leckeren Mittagessen am Rheinufer und einem Kaffee auf der Rheininsel zwischen Rhein und Rheinkanal wollten wir zügig nach Basel zurück.

Das hätte auch gut geklappt, wenn nicht bei voller Fahrt bei einer Bodenwelle der Gepäckträger nach hinten weggeklappt wäre. Wir legten eine spektakuläre Notbremsung hin und schauten uns etwas überrascht den weggeklappten Gepäckträger an. Im ersten Moment waren wir etwas ratlos, denn wir hatten darauf verzichtet, Werkzeug mitzunehmen. Dann kam uns die Idee zwei Gurte mit dem das Trinksystem an der Sitzlehne befestigt ist zu nutzen, um den Gepäckträger an das Sattelrohr zu binden. Leider habe ich vergessen, die Bastelei zu fotografieren.

Trotz der Panne hatten wir viel Spaß. Nachdem wir zurück waren, habe ich den Gepäckträger wieder fest angezogen. Ich hoffe, jetzt hält er dauerhaft.

Wehr im Schiffahrtskanal bei Kembs (Bild: Klaus Dapp)
Wehr im Schiffahrtskanal bei Kembs (Bild: Klaus Dapp)
Schifffahrtskanal oberhalb von Kembs (Bild: Klaus Dapp)
Schifffahrtskanal oberhalb von Kembs (Bild: Klaus Dapp)
Endlich Sommer ... (Bild: Klaus Dapp)
Endlich Sommer … (Bild: Klaus Dapp)

Trotz ein bisschen Muskelzwicken machten wir uns auf zu einer Rundtour ins Elsass. Wir fuhren im „Energiesparmodus“ etwas schneller als 25 km/h, so dass uns der Motor nur bei Bodenwellen kurz anschob. Meist fuhren wir getrennt vom Autoverkehr auf Waldwegen oder Radwegen. Auf der Straße wurden wir – wie in Frankreich üblich – fast immer mit großem Abstand überholt. Und das auch als wir fast auf die Autobahnauffahrt gefahren wären.

Der Blick auf den Euroairport ist ebenso wie die Fahrt unter der Landesbahn beeindruckend. Die Rückfahrt am Kanal jedoch deutlich entspannter. Dank gut 30 Grad waren wir ziemlich müde, als wir wieder nach Basel zurückkamen. Trotzem sind wir noch rasch zum Baumarkt gefahren und waren überrascht, dass uns auch dort ein Liegeradfahrer begegnete. Das Pino bewährte sich wieder einmal als Lastenesel.

Mit Sonnenbrille ist das Pino schon fast eine Sonnenbank (Bild: Klaus Dapp)
Mit Sonnenbrille ist das Pino schon fast eine Sonnenbank (Bild: Klaus Dapp)
Blick auf den Euroairport (Bild: Klaus Dapp)
Blick auf den Euroairport (Bild: Klaus Dapp)
Landung auf dem Euroairport (Bild: Klaus Dapp)
Landung auf dem Euroairport (Bild: Klaus Dapp)
Catbike Tieflieger beim Baumarkt (Bild: Klaus Dapp)
Catbike Tieflieger beim Baumarkt (Bild: Klaus Dapp)
Pino als Lastenesel - gefahren bin ich erst nachdem der Sack Erde mit dem 5-Punkt-Gurt gesichert war (Bild: Klaus Dapp)
Pino als Lastenesel – gefahren bin ich erst nachdem der Sack Erde mit dem 5-Punkt-Gurt gesichert war (Bild: Klaus Dapp)

Alles neu … macht die Jahresinspektion (7.463 km)

Servicerad vor überreiftem Getreidefeld (Bild: Klaus Dapp)

Servicerad vor überreiftem Getreidefeld (Bild: Klaus Dapp)

Da wollte ich mich auf der Hinfahrt zu meinem Radladen drücken und zumindest den Großteil mit dem Zug fahren … und dann fuhr wegen Bauarbeiten nur ein Schienenersatzverkehr. Damit ich das ausgeliehene Servicerad nicht ebenso einsaue wie meinen Grasshopper auf der Hinfahrt, habe ich asphaltierte Wege genommen. Das hat auch fast geklappt und so sah das Servicerad noch fast so aus wie beim Abgeben des Grasshoppers. Im übrigen ein guter Service – vielleicht gibt es ja auch mal Service-Liegeräder, dann tut mir der Hintern auch nicht weh 😉

Bei der Rückfahrt mit meinem frisch gewarteten Grasshopper war ich nicht ganz so erfolgreich beim Umfahren von Pfützen und Schlamm, do dass der schon wieder richtig nach benutztem Rad aussieht. Hoch erfreut war ich, dass ich zügig vorankam und keinen Muskelkater hatte – vielleicht sind das schon die ersten positiven Wirkungen des Trainings?

Wieder daheim - eingesauter Grasshopper (Bild: Klaus Dapp)

Wieder daheim – eingesauter Grasshopper (Bild: Klaus Dapp)

Fast hätte ich diesen Beitrag mit „der große Schreck“ überschrieben. Denn ich muss schon zugeben, dass ich kräftig erschrocken bin, als ich den Kostenvoranschlag freigeben sollte … mehr als 500 Euro waren für die Inspektion und die notwendigen Reparaturen vorgesehen.

Abgenutzte vordere Bremsscheibe (Bild: Klaus Dapp)

Abgenutzte vordere Bremsscheibe (Bild: Klaus Dapp)

Was war passiert? Eigentlich nichts wirklich überraschendes – nur hatte ich gehofft, dass das nicht schon nach guten drei Jahren bzw. knapp 7.500 Kilometer soweit ist.

  • Die Kette hatte sich gelängt und damit war es auch sinnvoll, die Kettenschutzrohre zu tauschen.
  • Die vordere Bremsscheibe musste getauscht werden, was nach zweimaligem Wechsel der Bremsbeläge nicht ganz überraschend kam.
  • Die Kugelgelenkköpfe an der indirekten Lenkung am Untenlenker hatten Spiel, was mir beim Fahren noch nicht aufgefallen war. Da das , aber da das auf jeden Fall zu den sicherheitsrelevanten Teilen gehört und ich – vor langen Jahren – schlechte Erfahrungen gemacht habe, bin ich froh, dass das aufgefallen ist.

Dazu kam die normale Inspektion mit Ölwechsel der Rohloffschaltung. Deshalb habe ich die Gesamtrechnung nach dem ersten Schreck nachvollziehen können und bin froh, dass jetzt alles wieder läuft. Und durch das Umdrehen des hinteren Ritzels konnte ich gegenüber dem Kostenvoranschlag doch noch etwas sparen.

Kugelgelenkkopf für die indirekte Lenkung (Bild: Klaus Dapp)

Kugelgelenkkopf für die indirekte Lenkung (Bild: Klaus Dapp)

Neue Mäntel liegen daheim schon bereit, damit es eine möglichst pannenfreie Saison gibt. Mal sehen, wann ich dazu komme, die zu montieren.

Im Stich gelassen… (7.411 km)

Da wollte ich rasch noch einen Weihnachtsbrief wegbringen … und dann hat mich der Grasshopper im Stich gelassen.

Schon beim Losfahren wunderte ich mich über ein merkwürdiges Rasselgeräusch. Das ignorierte ich eine Weile, bis daraus ein grauseliges Schleifgeräusch wurde. Nach zwei Versuchen wusste ich wo es herkam. Die beiden Schrauben, die das hintere Schutzblech am Rahmen fixierten sollten, waren lose. Ohne Werkzeug hatte ich keine Chance daran zu kommen.

Begleitet von zunehmenden Schleifgeräuschen fuhr ich langsam weiter, um den Brief einzuwerfen. Dann fuhr ich zur nächsten Straßenbahnhaltestelle und schleifte das Rad in die Bahn – wie gut, dass das in Darmstadt möglich ist.

Daheim angekommen baute ich das Hinterrad aus und zog die Schrauben wieder fest – diesmal mit Schraubenkleber. Ich hoffe, das hält jetzt dauerhaft. Und zur Ehrenrettung des Grasshoppers … ich hätte auch gleich schauen können, was da so klappert.

Nur mal schnell… (7.403 km)

Alte und neue Bremsbeläge (Bild: Klaus Dapp)

Alte und neue Bremsbeläge (Bild: Klaus Dapp)

Bei der letzten kleinen Ausfahrt habe ich gemerkt, dass kein Weg mehr daran vorbeiführt, die Bremsbeläge der Vorderradbremse zu ersetzen. Schon bei der Schwarzwaldrundfahrt habe ich bei den Abfahrten kein wirklich gutes Gefühl mehr gehabt. Jetzt habe ich kein gutes oder schlechtes Gefühl mehr … die Vorderbremse bremst einfach nicht mehr. Nach dem Ausbau konnte ich dann gut sehen, dass die Beläge ziemlich abgefahren waren.

Saftkiste als Werkstattausstattung (Bild: Klaus Dapp)

Saftkiste als Werkstattausstattung (Bild: Klaus Dapp)

Offensichtlich haben unsere Strandfahrten und die Fahren mit Gepäck (… und vielleicht auch ein bisschen mein höheres Gewicht …) zu einem verstärktem Verschleiss geführt.

Leider habe ich mal wieder zwei Anläufe gebraucht. Nachdem kein Weg mehr daran vorbeiführte, die Reparatur selber zu machen, da mir der Weg zur Werkstatt mit der unzureichenden Bremsen zu riskant erschien, baute ich das Rad aus und bockte das Rad auf der Vordergabel auf einer Saftkiste auf. Das lief überraschend gut. Vorsichtig baute ich die Bremsbeläge aus und machte alles sauber. Als ich nach den neuen Belägen griff, erlebte ich eine unschöne Überraschung … das waren die Beläge für die Scheibenbremse in meinem Faltrad. Da war ich beim Einkaufen wohl in Gedanken. Schlechtgelaunt baute ich die alten Beläge wieder ein. Klar dass inzwischen alle Radläden in der Umgebung zu hatten.

"Fahrradständer" im Fahrradkeller (Bild: Klaus Dapp)

„Fahrradständer“ im Fahrradkeller (Bild: Klaus Dapp)

Im zweiten Anlauf hat es dann gut geklappt. Alles war schön sauber und ich musste nur noch die Beläge tauschen. Und siehe da – es bremst wieder. Jetzt gibt es keine Ausrede mehr, mehr Radzufahren.

 

Vier Schrauben … wo soll denn da das Problem sein? (7.270 km)

Bruchstelle am Gepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Bruchstelle am Gepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Vor der Eurobike habe ich Alexander Kopp (Vertrieb Technik bei HP Velotechnik) wegen des  gebrochenen Gepäckträgers die Unterlagen (Kaufbeleg, Fotos) geschickt und ihn dann auf der Eurobike angesprochen. Er hat vorgeschlagen, dass der getauscht wird und er dann nach der Ursache schaut – an dieser Stelle schon einmal vielen Dank für die Kulanz! Und wir waren uns auch einig, dass der richtige Weg natürlich erst über den Händer gewesen wäre 😉

Ich habe mich ein bisschen gewundert, dass er mich gefragt hat, ob er einen neuen Gepäckträger an mich schicken soll oder an meinen Radhändler. Vier Schrauben sollte selbst ich wechseln können …

Ersatzgepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Ersatzgepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Ein paar Tage später kam dann ein riesiger Karton – mit dem Gepäckträger. Da ich seit dem Bruch schon rund 300 Kilometer gefahren bin, entschloss ich mich auch noch die Schwarzwaldtour zu machen und erst dann zu schrauben. Ein weiser Entschluss…

Zwischenzeitlich hatte ich bemerkt, dass das Kabel für das Rücklicht im Gepäckträgerrohr geführt wird – also vier Schrauben und ein wenig Gefummel. Auf der Rückfahrt aus dem Schwarzwald ist mir dann aufgefallen, dass die unteren Schrauben ins Schwingenlager gehen. Zuhause angekommen reichte ein Blick ins Handbuch, um zu erkennen, dass es nicht ganz so einfach wird. Ein festgelegtes Anzugsdrehmoment, Schraubenkleber und Warnhinweise, was beim Nichteinhalten so alles passiert („Gefahr! Zu geringes Anziehen der Achsverschraubung führt zu Spiel und Geräuschentwicklung beim Einfedern, im Extremfall … zu schweren Stürzen … zu fest … Gewinde der Achse ausreißen…).

Vorbereitende Arbeiten am Grasshopper (Bild: Klaus Dapp)

Vorbereitende Arbeiten am Grasshopper (Bild: Klaus Dapp)

Ich habe ja schon öfter über eine fehlende Werkstatt gejammert. So arbeitete ich im Gemeinschafts-Fahrradkeller und gemontierte als erstes das Kabel aus dem alten Gepäckträger. Nach einer kleinen Erweiterung der entsprechenden Löcher im neuen Gepäckträger gelang es mir dann auch das Kabel liebevoll einzubauen und den Platz für den Schutzschlauch zu haben, der ein Durchscheuern verhindern soll. Ein ganz wichtiges Werkzeug für das Einfädelns war eine zurechtgebogene Büroklammer …

Alter und neuer Gepäckträger nach den Tausch des Kabels für die Beleuchtung (Bild: Klaus Dapp)

Alter und neuer Gepäckträger nach den Tausch des Kabels für die Beleuchtung (Bild: Klaus Dapp)

In der Zeit stand der Grasshopper quasi ohne Hinterachse. Im nächsten Schritt musste ich „nur noch“ die Schrauben wieder ins die Gewinde bekommen. Das war bei den Schrauben für die Schwinge nicht ganz so einfach, da sich die Achse trotz aller Vorsicht verschob und die Schraube durch den Gepäckträger, den Rahmen ein Unterlegscheibchen in die Achse musste. Nach kurzer Zeit war ich doch leicht verzweifelt … und mit Schraubenkleber beschmiert. Nur war mir klar, warum mich Alexander Kopp gefragt hat, ob ich das selber montieren will. Mit dem Hintergedanken, wie peinlich (und umständlich) das ware, die Brocken einzusammeln und zum Radhändler zu bringen, mache ich mich neu ans Werk.

Grasshopper mit neuem Gepäckträger vor dem zweiten Montageversuch (Bild. Klaus Dapp)

Grasshopper mit neuem Gepäckträger vor dem zweiten Montageversuch (Bild. Klaus Dapp)

Im zweien Anlauf kleckerte ich den Schraubenkleber auf das Gewinde in der Achse und nach einigem Hin- und Herrütteln waren die Schrauben im Gewinde und ich konnte mit dem vorgegebenen Drehmoment anziehen. Was war ich froh … und ich weiß auch wieder einmal, warum Fahrradmechaniker(in) ein Ausbildungsberuf ist.

Der neu montierte Gepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Der neu montierte Gepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Dann kamen die Arbeiten, die mir dann deutlich mehr liegen. Liebevoll lötete ich neue Stecker an das Kabel und verbaute ein kleines Sortiment an Schrumpfschläuchen, damit das Licht auch wirklich immer funktioniert. Danach klebte ich noch Gewebeband an die möglichen Scheuerstellen und war wirklich froh, dass ich fertig geworden bin.

Auf dem folgenden Bild lässt sich halbwegs erkennen, dass die Rohre oben und für die Seitensteifigkeit dicker sind und damit dem „Hauptrohr“ von links oben nach rechts unten entsprechen, das die Hauptlast zu tragen hat.

Als Ursache hat Alexander Kopp „Überlastungsbruch an Schweißnaht“ diagnostiziert. Die Ursache lässt sich nicht genauer fassen, es ist aber eine Stelle an, an der das in Einzelfällen auch schon bei anderen vorgekommen ist. Ich freue mich jetzt auf viele pannenfreie Kilometer.

Vergleich neuer (oben) und alter (unten) Gepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Vergleich neuer (oben) und alter (unten) Gepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Vélodyssée / Eurovelo 1 – Tag 17: Rochefort – Saint-Georges-de-Didonne (6.621 km)

Transbordeur de Rochefort über den Fluss Charente (Bild: Klaus Dapp)

Transbordeur de Rochefort über den Fluss Charente (Bild: Klaus Dapp)

Nach einem leckeren Frühstück brachen wir voller Abenteuerlust auf. Gestern Abend hatten wir beschlossen die Route zu ändern. Wir wollten uns den Transbordeur de Rochefort anschauen, der quasi eine Fähre in der Luft darstellt. Ein technisches Wunderwerk, das seit 1900 Menschen 150 Meter über den Fluss Charente transportiert. Schon aus großer Entfernung wirkt er gigantisch .. und er ist wirklich kein Scheinriese.

Transbordeur de Rochefort von Rochefort aus gesehen (Bild: Klaus Dapp)

Transbordeur de Rochefort von Rochefort aus gesehen (Bild: Klaus Dapp)

Transbordeur de Rochefort von Échillais aus gesehen (Bild: Klaus Dapp)

Transbordeur de Rochefort von Échillais aus gesehen (Bild: Klaus Dapp)

Wie so oft, wenn wir technische Besonderheiten besuchen, hatten wir Pech. Wegen Sanierungsarbeiten waren Teile demontiert,so dass wir die während der Sanierungszeit bereitgestellte Fähre nutzen mussten.

Fähre über die Charente (Bild: Klaus Dapp)

Fähre über die Charente (Bild: Klaus Dapp)

Da die Strecke sowieso sehr lang war, verzichteten wir auf die Fahrt entlang der Charente und auf der alten Bahnstrecke zwischen Carbariot und Saint-Agnant. Stattdessen nahmen wir den direkten Weg über die Departementstraße. Da dort nur wenig Autos fuhren, war das unproblematisch.

In Saint-Agnant fanden wir schnell die alte Bahnstrecke und damit unseren Weg. Entlang des Canal de Bridoire fuhren wir Richtung Atlantik. Nach wenigen Kilometern bog der Weg ab und führte uns durch interessante Marschlandschaften. Ich war wieder froh über meine Federung… Antje wurde kräftig durchgeschüttelt. Nach einiger Zeit erreichten wir den Ortsrand von Marennes, den wir dann quasi umfuhren. Mit Blick auf die Insel St.- Pierre-d’Oleron erreichten wir den Fluss La Seudre, den wir auf einer hohen Brücke überquerten, die beeindruckende Blicke bot.

Brücke über den Fluss La Seudre (Bild: Klaus Dapp)

Brücke über den Fluss La Seudre (Bild: Klaus Dapp)

Blick auf den Atlantik zwischen der Ile d' Oléron und Rochefort von der Brücke über La Seudre (Bild: Klaus Dapp)

Blick auf den Atlantik zwischen der Ile d‘ Oléron und Rochefort von der Brücke über La Seudre (Bild: Klaus Dapp)

Damit erreichten wir den Foret de la Coubre, in dem wir bis nach La Palmyre fuhren. Ein touristisches Highlight auf dem Weg war der Leuchtturm Phare de la Coubre, in dessen Schatten wir picknickten. Eine Besteigung ließen wir sein, der Ansturm war so groß, dass es lange Warteschlangen gab.

Erster Blick auf den Leuchtturm Phare de la Coubre (Bild: Klaus Dapp)

Erster Blick auf den Leuchtturm Phare de la Coubre (Bild: Klaus Dapp)

Der Leuchtturm Phare de la Coubre (Bild: Klaus Dapp)

Der Leuchtturm Phare de la Coubre (Bild: Klaus Dapp)

Vor La Palmyre fanden wir einen ruhigen Platz am Atlantik und erfrischten uns kurz im Atlantik.

Vor La Palmyre im Atlantik (Bild: Klaus Dapp)

Vor La Palmyre im Atlantik (Bild: Klaus Dapp)

Bals darauf erreichten wir Royan. Dort war die Hölle los… und der Weg führte über die völlig überlaufene Strandpromenade, die auch noch mit Betonklötzen gegen Terroristen und Buden für Touristen vollgestellt war. Das war wirklich anstrengend und wir waren froh als wir den Abschnitt hinter uns hatten. Nach einigem Geschlängel erreichten wir glücklich Saint- Georges-de-Didonne. Dort fanden wir schnell unser Hotel und stellten die Räder ab. Vor dem offiziellen Einchecken hatten wir noch Zeit für einen kleinen Sparziergang in den benachbarten Ortskern. BeiAls ich meinte, wir müssten noch kurz was reparieren, wurde uns angeboten, beim befreundeten Radhändler anzurufen, damit der uns weiterhilft. Das konnten wir dankend ablehnen, eigentlich wollte ich ja nur die Kette ölen.

Leider musste ich beim Ölen der Kette feststellen, dass der Gepäckträger an der unteren Strebe gebrochen war. Zum Glück ist der Teil nur dafür da, die Taschen davon abzuhalten ins Rad zu schwingen. Mit zwei Kabelbindern machte ich eine Notreperatur – Dank der sommerlichen Temperaturen hatte ich zum Glück sowieso nicht so viel Gepäck dabei.

Bruchstelle am Gepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Bruchstelle am Gepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Bruchstelle am Gepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Bruchstelle am Gepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Danach kamen die Räder in die Garage. Die Beteiber des Hotels waren in großer Sorge, dass den Rädern etwas passiert. Danach gingen wir zum Strand und hüpften in den Atlantik, der an dem Tag etwas träge war. Am Abend holten wir uns eine Pizza und setzten uns an den Strand, der sich sehr schnell zur Essenszeit leere. Eigentlich war das eine schöne Idee – allerdings war die Pizza zu fettig und lag uns dann im Magen, so dass wir eine unruhige Nacht verbrachten.

Nur mal kurz … (5.353 km)

Hinteres Schutzblech am Grasshopper (Bild: Klaus Dapp)

Hinteres Schutzblech am Grasshopper (Bild: Klaus Dapp)

Ich wollte nur mal kurz das kaputte Schutzblech tauschen. Deshalb habe ich mir ein neues Schutzblech von HP Velotechnik besorgt und wollte das einfach 1:1 tauschen. Leider habe ich keine gescheite Werkstatt, so dass ich den Grasshopper an die Decke gehängt und die Reste des alten Schutzblechs abgeschraubt habe.

Um das Hinterrad ausbauen zu können, habe ich schnell die Luft aus dem Hinterrad gelassen und es ausgebaut. Dann nahm das Drama seinen Lauf … eigentlich war es ja ganz einfach. Zuerst mussten die beiden Schrauben direkt am Rahmen montiert werden. Das sollte ja kein Problem sein, da ich ein Originalschutzblech in der Hand hatte. Nach einer guten Stunde habe ich es dann begriffen … die Position eines der Löcher hat sich gegenüber meiner Version um ca. 5 Milimeter verändert. Eigentlich kann das nicht sein, da sich ja der Rahmen nicht verändert hat. Entweder habe ich ein „Montagsexempar“ oder ein „Restexemlar“ bekommen. Nachdem ich das Problem erkannt hatte, war klar was zu tun ist: Bohrer holen, neues Loch bohren und dann das Schutzblech am Rahmen festschrauben. Danach musste ich nur noch die hinteren Streben anbringen und das Hinterrad wieder einbauen und aufpumpen.

Dann habe ich die Gelegenheit genutzt und noch den Rahmen eingewachst. Jetzt kann ich wieder rappelfrei und ohne Rumgespritzte fahren. Ich hoffe, dass das Schutzblech jetzt lange hält.