Inoffizieller Weg entlang der Saône (Bild: Klaus Dapp)
Nach einem kurzen Weg zur
und entlang der Saône mussten wir uns entscheiden – dem „offiziellen“ Track
über größere und kleinere Straßen folgen oder den Grasweg entlang der Saône
nutzen. Wir entschieden uns für den Grasweg. Der ließ sich recht gut fahren.
Allerdings gab es an etlichen Stellen Spurrillen unter dem Gras, so dass ich
mich zweimal hinlegte. Das ist dann einer der Nachteile des Grasshopper und wohl
der meisten Liegeräder mit kleinem Vorderrad, dass sie spurrillenempfindlich
sind.
Blick über das Tal der Saône oberhalb von Tornus (Bild: Klaus Dapp)Blick vom Ufer der Saône in Richtung Marnay (Bild: Klaus Dapp)
Zum Glück ließ sich der
größte Teil gut fahren, so dass wir die offene Landschaft genießen konnten. Es
ist schon beeindruckend wie flach es hier ist. Noch hat der Mais auch eine
Höhe, aus der ich in die Landschaft schauen kann.
Blick auf die Saône-Insel in Chalon-sur-Saône (Bild: Klaus Dapp) Straße auf der Saône-Insel in Chalon-sur-Saône (Bild: Klaus Dapp)
Wir kamen so früh in
Chalon-sur-Saône an, dass wir noch auf den Markt in der Innenstadt gehen
konnten. Da hatte sich die Frage schnell geklärt, ob wir Essen gehen. Bei so
vielen leckeren Sachen, deckten wir uns mit Quiches, Fougasses, einem Käse aus
der Region, leckeren Minitomaten in allen Farben usw. ein und picknickten auf
der Saône-Insel unter Bäumen.
Blick auf die Kathedrale Saint-Vincent in Chalon-sur-Saône über die Saône (Bild: Klaus Dapp) Kathedrale Saint-Vincent in Chalon-sur-Saône über die Saône (Bild: Klaus Dapp) Altstadt bei der Kathedrale Saint-Vincent in Chalon-sur-Saône (Bild: Klaus Dapp)
Nach einem Kaffee
spazierten wir ein bisschen durch die Altstadt und besuchten dann das
Fotomuseum. Dort wird die Geschichte der Fotografie beschrieben. Joseph
Nicéphore Niépce hat die Heliografie entwickelt, die als erste fotografische
Technik gilt. Neben der Dauerausstellung gibt es dort auch immer wieder
Wechselausstellungen zu sehen. Wer Interesse an Fotografie hat, sollte sich
dafür auch Zeit einplanen.
Nach dem Museumsbesuch
schlenderten wir zurück zur Unterkunft und gingen der üblichen Routine nach:
Duschen, Waschen, lecker Abendessen. Danach setzten wir uns auf die Terrasse im
Innenhof und ich kann diesen Text bei dem mitgebrachten leckeren Weißwein aus
Mâcon-Mancey aufschreiben.
Der Voie Bleue führt von Mâcon (Saône-et-Loire) nach Heuillez-sur-Saône (Côte-d’Or) (Bild: Klaus Dapp) Brücke über die Saône zwischen Dracé und Thoissey (Bild: Klaus Dapp)
Vom üppigen Abendessen
und dem guten Frühstück etwas in den Sitz gedrückt fuhren wir zurück zur Rhône.
Dort wurden wir dann auch bald gefordert. Nach kurzer Zeit kam ein etwa zwei
bis drei Kilometer langer Wegabschnitt der kaum noch fahrbar war. Um den Weg zu
befestigen wurde eine dicke Schicht Kiesel mit Durchmessern von bis zu 5 cm
aufgeschüttet. Da musste ich dann teilweise schieben und selbst zwei
Montain-Biker die wir getroffen haben waren der Meinung, dass das wirklich kein
geeigneter Weg sein. Die Herzallerliebste war ziemlich fertig, hat aber tapfer
durchgehalten.
Alte Brücke von Mâcon (Bild: Klaus Dapp) Mâcon (Bild: Klaus Dapp) Kirche Saint-Pierre in Mâcon (Bild: Klaus Dapp)Festival in Mâcon (Bild: Klaus Dapp)Das älteste Haus in Mâcon (Bild: Klaus Dapp)Konservatgorium von Mâcon (Bild: Klaus Dapp)
Nach gut 20 Kilometern
hatten wir es bis Mâcon geschafft. Einem schönen Städtchen, das wir für eine
ausgiebige Pause genutzt haben. In der Stadt überraschte uns Musik an vielen
Ecken. Es wurde für das große Musikfest am Abend geprobt. Unter anderem
begegnete uns eine Brass-Band einer Schule, die spielend durch die Stadt lief,
und eine Gruppe mit Streichinstrumenten, die vor historischer Kulisse
mittelalterliche Schreittänze übte. Wir schauten uns einige historische
Bauwerke an. In einer Apotheke grub die Apothekerin stolz ihre
Deutschkenntnisse aus, ein regelmäßiger Kunde war völlig verblüfft, dass sie
multilingual sei. Zu großem Gelächter führte ihre Antwort, dass sie mit Chemie
und Physik mehr Probleme hatte als mit Deutsch.
Radweg entlang der Sâone (Bild: Klaus Dapp) Charolais-Rinder an anderen Ufer der Sâone (Bild: Klaus Dapp)
Ab Mâcon fuhren wir dann
auf der „Voie Bleue“. Dieser Weg war toll ausgebaut und so konnten wir zügig
und entspannt weiterfahren. Das tat unseren doch müden Beinen gut und wir
genossen es, dahinzugleiten. Viel früher als erwartet kamen wir in Tournus an.
Grasshopper vor dem Fahrradmuseum in Tornus (Bild: Klaus Dapp)Velostable – Vorläufer des Liegerads (Bild: Klaus Dapp) Velostable – Vorläufer des Liegerads ca. 1935 (Bild: Klaus Dapp) RECUM Cycle leider ohne weitere Informationen (Bild: Klaus Dapp)VELOMAR Maritimes Velo aus dem Jahr 1975 mit dem seine Erfinder unter anderem 350 Kilometer auf der Rhône gefahren sind (Bild: Klaus Dapp)
Das gab uns Gelegenheit,
das Fahrradmuseum zu besichtigen. Wir hatten viel Spaß die Schätze und
Raritäten anzuschauenden zum Teil sogar auszuprobieren Leider musste wir zur
vereinbarten Zeit zur Unterkunft und brachen dann etwas hastig auf.
Übernachtung in Turnus (Bild: Klaus Dapp)Anbau mit den Gästezimmern (Bild: Klaus Dapp)
Noch pünktlich kamen wir
an der Unterkunft an. Da sich die Herzallerliebste nicht ganz sicher war, ob
die Klingel ging, drückte sie gleich zweimal. Das quittierte die Zimmerwirtin
mit dem Ruf, sie käme schon aber das Haus sei groß – das war auch nicht
untertrieben. Unser Zimmer war in der ehemaligen Kapelle des Anwesens
eingerichtet. Schade nur, dass 1968 die Autobahn „Route de Soleil“ in knapp 100
Metern Abstand gebaut wurde, so dass die gesamte Umgebung verlärmt war.
Als wir so richtig
angekommen waren, fiel uns ein, dass wir kein Wein für das Abendessen besorgt
haben. Zum Glück war wenige hundert Meter entfernt ein großer Weinladen mit
Degustation. Wir erkundeten die Erlebniswelt und rochen an den
unterschiedlichen Geruchsproben, die wir trotz eines gewissen Eigengeruchs gut
erkannten. Danach ließen wir uns beraten und probierten einen Wein. Dann war
unsere Entscheidung klar. Mit zwei unterschiedlichen Flaschen Weißwein aus
Mâcon machten wir uns auf den Weg und hatten damit auch einen Vorrat für den
nächsten Abend.
Nach dem Frühstück
machten wir uns auf den Weg. Der erste Kilometer ging mit bis zu 14 Prozent
bergab an die Saône. Dann fuhren wir auf selbstständigen Radwegen durch das
Stadtgebiet entlang der Saône. Mit Ausnahme mancher fast rechtwinkliger „Kurven“
war das sehr angenehm zu fahren und gab uns die Möglichkeit, noch einmal Teile
der Stadt anzuschauen. Am Ende des Stadtgebiets bis Fontaines-sur-Saône wird
der Weg entlang von stark befahrenen Straßen geführt – diese rund fünf
Kilometer machen keinen Spaß.
Schotterweg entlang der Saône (Bild: Klaus Dapp)
Bei Fontaines-sur-Saône
wechselten wir die Seite und fuhren auf dem östlichen Ufer der Saône weiter.
Reiseräder und Rennräder begegneten uns nach dem Stadtgebiet von Lyon nicht
mehr. Das ist auch nicht verwunderlich. Der Weg ist teilweise nur eine Wegspur
im Gras und zum Großteil der Weg für die Wasserwirtschaft, meist eine
geschotterte Piste mit etlichen Schlaglöchern.
Schotterweg entlang der Saône (Bild: Klaus Dapp)
Kurz: Der Grasshopper war
voll in seinem Element. Ich hopste über die Löcher und war einmal wieder von
der Federung begeistert. Im Gegensatz zur Herzallerliebsten auf ihrem Reiserad
hatte ich keine belasteten Handgelenke und auch der wieder einsetzende Gegenwind
betraf mich nicht so stark. Trotzdem habe ich mich gefreut als wir am
Nachmittag ohne Schäden an uns und den Rädern angekommen sind.
Die Landschaft
unterscheidet sich deutlich von der Rhône. Sie wirkt weiter und die Hügel auf
der Seite niedriger. Schade, dass das Fahren ziemlich viel Konzentration
erfordert. Den Abend beendeten wir mit einem dekadenten ausgiebigen
französischen Essen einschließlich leckerem Nachtisch und gutem Wein.
Blick über Lyon (Bild: Klaus Dapp)Eingangsportal der Kathetrale Saint-Jean (Bild: Klaus Dapp)
Den Ruhetag hatten wir gut ausgewählt. In Lyon gibt es wirklich sehr viel zu sehen und bei knapp 35 Grad bieten sich Besuche im klimatisierten Museen geradezu an. Nach einem gemütlichen Frühstück im Garten machten wir uns mit der Standseilbahn auf in dem Weg in die Stadt. Zuerst besuchten wir die Markthalle und schauten uns Köstlichkeiten an. Die Gastronomie Lyons ist in Frankreich besonders berühmt. Spannend dabei ist die Entwicklung dahin. Während in den letzten Jahrzehnten vor allem von Köchen die Rede war, entstand die Restaurant-Kultur dadurch, dass nach dem verlorenen Krieg 1870/71 die weiblichen Hausangestellten des Bürgertums entlassen wurden und sich mit kleinen Kneipen vor allem für die Arbeiter selbstständig machen. Viele bekannte Köche Frankreichs haben ihre Lehrzeit bei diesen Frauen verbracht.
Danach besuchten wir das
Stadtmuseum und das Puppenspielmuseum, denn in Lyon wurde der französische
Kaspar erfunden. Die Dame an der Eingangskontrolle war etwas irritiert als wir
aus die Frage, mit was wir starten wollen, mit „Mittagessen“ antworteten. Aber
das Museum hat einen schönen Garten, in dem wir ein leckeres Mittagessen
bekamen und uns mit einem Kaffee wieder wach machten. So gestärkt schauten wir
uns die Stadtgeschichte von Lyon an und die Erfindung des Kaspers und der
Puppenspiele in Frankreich. Dabei hatten wir viel Spaß.
Eingang in den Ökotunnel auf Seite der Saône mit Zählstelle für den Radverkehr (Bild: Klaus Dapp)Bus im Ökotunnel (Bild: Klaus Dapp)Videoprojektion im Ökotunnel (Bild: Klaus Dapp)Tunnelausgang auf Seite der Rhône (Bild: Klaus Dapp)
Danach schauten wir uns
den „Ökotunnel“ an. Neben einem Autotunnel wurde 2013 eine zweite Tunnelröhre
als Fluchtweg errichtet. Dieser 1,7 km lange Tunnel ist dem Rad- und Fußverkehr
sowie einer Buslinie vorbehalten. Damit keine Angsträume entstehen ist der
Tunnel nicht nur beleuchtet. An seine Wände wird eine Videoanimation
projiziert. Das ist schon sehr spannend. Da der Tunnel auch eine wichtige
Verbindung innerhalb Lyons darstellt und gut in das Radnetz eingebunden ist,
ist es kein Wunder, dass hier mehr als 2000 Radfahrende pro Tag unterwegs sind.
Standseilbahn in Lyon (Bild: Klaus Dapp) Wallfahrtskirche Notre-Dame de Fourvière auf dem Fourvière-Hügel (Bild: Klaus Dapp)Aussichtsturm im Design des Eifelturms (Bild: Klaus Dapp)
Den Abschluss unseres Stadtbummels bildete eine Fahrt mit der zweiten Standseilbahn zur Wallfahrtskirche Notre-Dame de Fourvière auf dem Fourvière-Hügel. Von dort ist ein guter Überblick über die Stadt möglich. Mit einem Abendessen im Freien bei lustiger Musik einer Gruppe älterer Männer schlossen wir den Tag.
In unserer Unterkunft angekommen hatte ich endlich einmal die Gelegenheit in Katzenbild für einen Liegeradblog zu machen … Kater Pascha hatte es sich wieder auf dem Sitz des Grasshoppers gemütlich gemacht und das obwohl ich als Schutz gegen die Sonne die Regenhülle aufgezogen hatte. Am Ankunftstag sprang er gleich auf den Sitz und leckte freudig den Schweiß ab.
Kater Pascha nutzt den Grasshopper als Ruheplatz (Bild: Klaus Dapp)
Mit einem Gläschen Rose
machte ich mich endlich daran, die letzten beiden Tage in Textform zu bringen.
Anfahren am Berg – oder besser von der Sprungschanze, so kam mir das am Morgen vor. Wir sausten hinunter ins Tal und unterquerten das Eisenbahnviadukt in Serrières. Auf der Rhône-Brücke und die ersten paar hundert Meter danach kamen wir in den Berufsverkehrs, was ziemlich unangenehm war. Dann bogen wir auf Wirtschaftswege und auf den ViaRhona-Radweg ab.
Zwischen Weizenfeldern … (Bild: Klaus Dapp)… und Maisfeldern in der Rhonebene (Bild: Klaus Dapp)Schicke selbstständige Radwege (Bild: Klaus Dapp)Blick auf das Atomkraftwerk Saint-Alban-du-Rhône (Bild: Klaus Dapp)
Dank des kaum noch vorhandenen Gegenwindes kamen wir gut voran und trafen rechtzeitig zum Mittagessen in Vienne ein. In der klassischen französischen Mittagspause schauten wir uns ein wenig die Stadt an. Vom römischen Theater bis zur historischen Altstadt lässt sich auch mit wenig Zeit viel sehen.
Kathetrale Saint Maurice in Vienne (Bild: Klaus Dapp) Kathetrale Saint Maurice in Vienne (Bild: Klaus Dapp) Kathetrale Saint Maurice in Vienne (Bild: Klaus Dapp) Kathetrale Saint Maurice in Vienne (Bild: Klaus Dapp) Blick über Vienne rhoneabwärts (Bild: Klaus Dapp) Römisches Theater und Chapelle Notre Dame de Pipet in Vienne (Bild: Klaus Dapp)Temple d‘ Auguste et Livie in Vienne (Bild: Klaus Dapp)
Danach ging es weiter auf selbstständigen Radwegen bis nach Givors. Die Wegführung ab Givors ist – vorsichtig gesagt – spaßbefreit. Oft nur auf einem schmalen „Schutzstreifen“ führen die letzten rund 30 Kilometer nach Lyon oft mit viel LKW-Verkehr. In Lyon selber mussten wir nach St. Just. Dieses Stadtviertel liegt oberhalb der Altstadt von Lyon. An der entscheidenden Kreuzung begegneten uns aus zwei Richtungen zwei Liegedreiräder und ein Pino-Tandem. Die kamen so überraschend, dass ich noch nicht mal richtig winken oder ein Foto machen konnte.
Die Verbindung ist so steil, dass dort eine Standseilbahn als Aufzug fährt und die rund 100 Höhenmeter überwindet. Wir wollten uns die Auffahrt deshalb mit einem geringeren und dafür längeren Anstieg erleichtern. Trotzdem eierten wir bei über 30 Grad mühsam auf dem Gehweg den Berg hoch und waren froh, als wir endlich den höchsten Punkt erreicht hatten. Am Ziel angekommen freuten wir uns sehr über die Dusche.
Blick über Lyon (Bild: Klaus Dapp)
Nach einer Pause machten wir uns auf den Weg, um einen Waschsalon zu suchen. Den fanden wir gleich um die Ecke und so konnten wir gemütlich bei einem leckeren Abendessen im Park über Lyon sitzen und nebenan wurde unsere Wäsche wieder sauber. Mit einer Flasche kühlem Rosé ließen wir den Abend ausklingen.
Blick rhoneaufwärts oberhalb von Valance (Bild: Klaus Dapp)
So langsam klappt die
Packroutine. Nach Toast mit Marmelade wollten wir uns zügig auf den Weg machen
… aber da hatten wir die Rechnung ohne Bruno und die anderen Gäste gemacht.
Bruno bestand auf einem Foto vor der Velogîte und die anderen Gäste wollten
sehen, wie ich mit dem Liegerad starte. Wir hatten unseren Spaß.
Nachdem wir Valence
verlassen hatten, kamen wir auf den sehr angenehmen Wegen entlang der Rhône gut
voran. Der Gegenwind ging immer mehr zurück und gegen Nachmittag spürten wir
nur noch den normalen Fahrtwind … ein ganz neues Gefühl.
Brücke für den Rad- und Fußverkehr in Tain l‘Hermitage (Bild: Klaus Dapp)Frachtschiff in Tain l‘Hermitage (Bild: Klaus Dapp)
In Tain l‘Hermitage
wollten wir uns die Innenstadt anschauen. Obwohl die Herzallerliebste am Abend
noch vorgelesen hatte, dass es eine spezielle Brücke für den Fuß- und
Radverkehr gibt, haben wir die Hauptstraße für den Autoverkehr genommen. Ein
blöder Fehler, da kurz vor Mittag ein dichter Verkehr mit vielen LKW herrschte.
Wir waren froh, als wir endlich die verkehrsberuhigte Uferstraße erreicht
hatten. Danach besorgten wir uns beim Traiteur (ein Feinkostladen mit
selbstgemachte Pasteten usw.) Tartes und beim benachbarten Bäcker noch ein
Baguette. Die Bäckerin überraschte uns beim Bezahlen. Als mir die
Herzallerliebste übersetzte meinte Sie „richtig“. Es stellte sich im Gespräch
hinaus, dass sie einige Jahre als Bäckerin in Biberach gearbeitet hat.
Weinberge vor Arras-sur-Rhône (Bild: Klaus Dapp)Burganlage von Arras-sur-Rhône (Bild: Klaus Dapp)
Durch den „fehlenden“
Gegenwind kamen wir so gut voran, dass wir sogar noch eine zweite Mittagspause
mit Mittagsschläfchen einlegten, um nicht zu früh anzukommen. Danach fuhren wir
mit neuer Energie weiter. Auf dem Weg kam uns ein mindestens genau so bepackter
Liegeradfahrer (Kurzlieger mit Obenlenker) entgegen und grüßte freudig.
Blick auf die Rhône bei Ozon (Bild: Klaus Dapp)
Kurz vor unserem Ziel
nutzte ich die Chance und schmierte die Kette neu. Bei der großen Wärme hält
das Schmiermittel (S100) nicht sehr lange. Die letzten beiden Kilometer nach
Serrières waren ziemlich anstrengend. Bei der Querung der Rhône kamen wir in
den Feierabendverkehr und mussten uns durch den Stau mit vielen LKW schlängeln.
Dann mussten wir den steilen Weg in den Ort hinaufstrampeln. Die herzliche Aufnahme
im Quartier, das leckere Abendessen und der Blick ins Tal am Abend
entschädigten uns dafür. So kann ich diese Zeilen mit Blick über das Tal der
Rhône schreiben… und selbst vom Bett aus ist der Blick grandios.
Gasse in Serrières (Bild: Klaus Dapp) Blick über Serrières in das Rhonetal (Bild: Klaus Dapp)
Nach einem üppigen
Frühstück brachen wir nach Montélimar auf. Diesmal deutlich einfacher an dem
Jabron, einem Zufluss der Rhone entlang und damit gemütlich leicht bergab.
Schon bald erreichten wir den Rhone-Radweg wieder. Es macht wirklich Spaß auf
diesem toll ausgebauten Wegen zu fahren. Ab und an nerven ein paar enge
Drängelgitter oder Pfosten. Nach dem Unfall im letzten Jahr fuhren wir beide
immer sehr vorsichtig. Trotzdem habe ich mir fast den Spiegel abgefahren und
die Herzallerliebste ist auch einmal mit der Tasche hängen geblieben.
Portal der Radbrücke über die Rhone bei Rochemaure (Bild: Klaus Dapp) Radbrücke über die Rhone bei Rochemaure (Bild: Klaus Dapp) Blick auf die Burganlage von Rochemaure (Bild: Klaus Dapp)
An einigen Stellen ist
schon ein Radweg angelegt, der noch nicht einmal im offiziellen GPS-Track
enthalten ist. Das waren immer positive Überraschungen. Besonders beeindruckend
war der Blick auf die Festung von Rochemaure aus dem 12. Jahrhundert und die
Brücke über die Rhone. Diese wurde 2013 für den Radverkehr als Hängebrücke
(Passarelle himalayenne) innerhalb der alten Brücke neu gebaut.
Radweg am Atomkraftwerk von Cruas (Bild: Klaus Dapp)
Mit dazu gehört in
Frankreich bei einer Fahrt an einem großen Fluss natürlich auch der Blick auf
ein Atomkraftwerk. Es ist wirklich erschreckend wie einseitig die
Energiepolitik noch immer ausgerichtet ist. Die Mittagspause konnten wir an
einem speziell für Radtouristen eingerichteten Rastplatz machen. Oft führte die
Fahrt durch Obstplantagen. Als Kompromiss mit den Bauern hat sich das
Departement wohl verpflichtet Zäune und Verbotsschilder gegen die diebischen
Radreisenden auszustellen…
Neue Fahrradbrücke über die Rhone (Bild: Klaus Dapp)
Trotz der schönen
Landschaft und den meistens sehr guten Wegen waren wir froh, als wir am
Nachmittag unsere Unterkunft in Valence erreichten. Der fast durchgehende
Gegenwind des Mistral mit Böen bis zu 60 km/h war doch ziemlich anstrengend
gewesen.
Gut ausgebauter Radweg bei Le Pouzin (Bild: Klaus Dapp)Blick auf die Rhone bei Valence (Bild: Klaus Dapp)Geschätzter Streifen an der vielbefahrenden D96 über die Rhone nach Valence (Bild: Klaus Dapp)Esplanade du Champ de Mars – neu gestaltete Innenstadt von Valence (Bild: Klaus Dapp)
Gemütlich spazierten wir
durch die Innenstadt von Valence und suchten uns eine Gaststätte für das Abendessen.
Zurück in der Unterkunft konnte die Herzallerliebste vor anderen Radfahrenden
noch freudig mit unseren Touren der letzten Jahre angeben und von unserer
heldenhaften Fahrt gegen den Wind berichten. Der Betreiber des Radhotels war
ein bisschen neidisch, dass wir so viel rumkamen. Die anderen Gäste waren
beeindruckt, dass wir noch bis nach Straßburg weiterfahren wollen.
Herzallerliebste bei der Orientierung (Bild: Klaus Dapp)
Nach einem leckeren Frühstück mit diversen Marmeladen machten wir uns auf. 25 Grad am Morgen und kräftiger Gegenwind waren eine echte Herausforderung. Selbst auf dem Liegerad spürte ich den Gegenwind, der uns laut Wetterbericht mit 60-70 km/h entgegenblies. Die Herzallerliebste freute sich über jede Hecke und jeden Deich, der uns Windschatten bot.
Burgruine am Rand der Rhoneebene (Bild: Klaus Dapp)
Auf kleinen Sträßchen und
Wirtschaftswegen fuhren wir – und viele andere Radfahrende – durch die
Rhone-Ebene. Die meisten Radfahrenden kamen uns mit Wind und Fluss entgegen.
Neben den an Sonntagen in Frankreich üblichen Rennradgruppen war auch auch ein
große Zahl von Reiseradlern mit teilweise Unmengen an Gepäck unterwegs.
Brücke über die Rhone (Bild: Klaus Dapp)Brücke über die Rhone (Bild: Klaus Dapp)
Mittags erreichten wir
Bourg St. Andeol. Ein kleines Dorf in dem wir einkauften und gemütlich Essen
gegangen sind. Im Freien war es nicht ganz einfach, dass der Salat auch auf dem
Teller blieb. Mit einem guten Kaffee bereiteten wir uns auf den nächsten Teil
der Etappe vor. Häufig führen wir an der Rhone bzw. einem Seitenkanal entlang.
Beeindruckend waren dabei auch die Brücken und die großen Wasserkraftwerke zur
Elektrizitätserzeugung.
Blick auf Bourg St. Andeol (Bild: Klaus Dapp)
In Montélimar besuchten
wir das Nougat-Museum. Witzig war die enge Verbundenheit der Nougatherstellung
mit den Verkehrswegen in Montélimar. Der erste Boom kam mit der Eisenbahn. Die
Hersteller bzw. Händler verkauften einen großen Teil der Produktion bei den
Halten den Züge in Montélimar direkt in die Wagen. Dementsprechend waren die
Hersteller auch am Bahnhof angesiedelt. Später waren die Staus auf der
Nationalstraße 7 ein wichtiger Faktor für den Verkauf. Die Staus waren
teilweise so drastisch, dass die Reisenden ausstiegen und sich mit Nougat
eindeckten. Mit dem Bau der Autobahn entfiel diese Verkaufsmöglichkeit und
etliche Hersteller schlossen. Erst mit dem Bau von Verkaufsräumen an der
Autobahn verbesserte sich die Situation.
Die „Grünen Wege / Voie verte“ sind autofreie und oft in sehr guter Qualität asphaltierte Wege (Bild: Klaus Dapp)
Nach einer Fahrt durch
ein großes Gewerbegebiet durchquerten wir die verwinkelte Altstadt von
Montélimar und erreichten über einige steile Hügel schließlich Montboucher sur
Jabron. Dort wurden wir herzlich empfangen und in das Zimmer und die Nutzung
des Pools eingewiesen. Bei rund 30 Grad war das eine willkommene Erfrischung.
Auf der gemütlichen Terrasse ließen wir den Tag mit einem leckeren Abendessen
ausklingen.
Reste der Burg von Châteauneuf-du-Pape (Bild: Klaus Dapp)
Die Packroutine am Morgen
verlief noch etwas zäh, trotzdem schafften wir es, zügig aufzubrechen. Wir
genossen den Sommermorgen bei einem kleinen Frühstück in einem benachbarten
Café.
Danach fuhren wir auf dem
provisorischen Rhone-Radweg Richtung Norden aus Avignon hinaus. Ich hatte schon
bei der Planung das Gejammer über den Weg aus Avignon hinaus nicht ganz
verstanden. Der Bikeline Führer (Auflage 2017) hat mit der Bemerkung „in
Pont-Saint-Esprit ist es dann vorerst mal vorbei mit den Radwegen“ eine Alternativroute
östlich der Rhone beschrieben. Mir hat – mit Ausnahme der Drängelgitter – der
Weg gut gefallen. Ein Großteil wird als reiner Radweg geführt, ein weiterer
Teil auf Nebenstraßen meist in Wohngebieten und nur ein kleiner Teil verläuft
auf befahrenen Straßen oder nicht ganz so schön durch Gewerbegebiete.
Blick auf Châteauneuf-du-Pape (Bild: Klaus Dapp)
Unser erstes Zwischenziel
war Châteauneuf-du-Pape. Die alte Burganlage liegt beeindruckend über den
Weinbergen. Wir bogen vom offiziellen Weg ab, um uns die Burganlage
anzuschauen. Leider wurde sie nicht nur ein Opfer diverser Religionskriege
sonder auch der deutschen Wehrmacht. Die 1944 einen großen Teil der
verbliebenen Anlage sprengte. In den 1960er Jahren wurde durch die Kommune ein
Teil wieder hergestellt.
Weinberge bei Châteauneuf-du-Pape (Bild: Klaus Dapp) Blick von Châteauneuf-du-Pape in das Tal der Rhone (Bild: Klaus Dapp)
Danach fuhren wir weiter
über Wirtschaftswege durch die berühmten Weinberge und vergleichsweise
unbefahrene Straßen nach Orange. Am Eingang zur Altstadt hatte ich ein nettes
Missverständnis mit einem Polizisten, der das Einfahrtsverbot für Autos in die
Innenstadt überwachte. Er wollte mich darauf hinweisen, dass Markt war – und
wie wir später erfahren haben ein spezieller Mittelaltermarkt – und er in Sorge
war, ob ich mit meinem Gefährt in der Lage war, das Gleichgewicht halten könne.
Ich dachte er wäre von meinem Rad angetan und interpretierte seine Gesten als
das Handreichen zur Begrüßung … Wir durften dann vorsichtig in die Innenstadt
rollen. Was angesichts der Menschenmenge nicht einfach war.
Römisches Theater in Orange (Bild: Klaus Dapp)
Am großen römischen Theater stellten wir dann die Räder einfach ab und besichtigten den beeindruckenden Bau. Gestärkt durch einen Kaffee machten wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft. Dabei fuhren wir auf Nebenstraßen und kamen gut voran. Wir waren überrascht, wie gut beschildert der Weg ist.
Bei der Querung des
Flüsschens l‘Eygues hatte ich Glück, dass das Geländer so niedrig ist. So
konnte ich mich mit einer Hand festhalten und vorsichtig über die weniger als
einen Meter breite Brücke fahren. Das habe ich mit nur einer kleinen Berührung
des Außenspiegels hinbekommen. Schieben wäre viel anstrengender geworden.
Querung des Flüsschens l‘Eygues (Bild: Klaus Dapp) Querung des Flüsschens l‘Eygues (Bild: Klaus Dapp)
Ziemlich früh kamen wir bei unserer Unterkunft an, wo uns die Tochter des Hauses in Empfang nahm. Durch die knapp 30 Grad waren wir trotz der vergleichsweise kurzen Strecke ziemlich müde und klebrig. So ruhten wir uns nach der Dusche und der täglichen Waschroutine erst einmal aus. Am späteren Nachmittag begrüßte uns die Hausherrin mit Bisous (Küsschen). Danach mussten wir uns nur noch mental auf das Abendessen vor Ort vorbereiten. Wie gut, dass Antje das gebucht hatte.
Uns erwartete ein mehrgängiges
Menü und ich war wirklich froh, dass ich danach nur noch ins Bett gehen musste
… mit dem Abnehmen wird das so sicher nichts.
Vor fünf Uhr aufstehen ist eine Herausforderung, die wir mit etwas Mühe gemeistert haben. Die erste spannende Frage war, wie sich der Grasshopper und die ICN (N für Neigetechnik)-Züge der SBB miteinander vertragen. Es ist vorgesehen, dass die Räder eingehängt werden. Da wir genug Zeit hatten war ich gerade dabei zu versuchen, den Grasshopper rückwärts einzuhängen, als der Lokführer dazukam. Der fand das Rad klasse, und half mir beim Einhängen. Er war überrascht als ich ihm sagte, dass ich das Rad notfalls auch falten kann. Nach einem netten Gespräch wie angenehm doch Radfahren im Alltag sein und dass Autofahren in der Stadt ja keinen Sinn macht, gingen wir auseinander.
Das nächste Abenteuer war
der Umstieg in Biel. Eigentlich wäre das Fahrradabteil genau gegenüber am
Bahnsteig gewesen und die sechs Minuten Umsteigezeit hätten gut gereicht. Aber
auch bei der SBB treten technische Defekte auf. Deshalb kamen wir an einem
anderen Bahnsteig an und mussten vom Fahrradabteil am Zugende mit den Rädern
zur Unterführung rennen und dann am nächsten Zug wieder zurück. Den sportlichen
Anteil der Reise hatten wir damit hinter uns. Weiter ging es nach Genf.
Grasshopper im französischen Regionalzug (Bild: Klaus Dapp)
Dort konnten wir in einen
französischen Regionalzug umsteigen und hatten das Radabteil und ein riesiges
Gepäckabteil, das wohl einmal ein Barabteil war, für uns. Die große
Überraschung kam in Valence. Dan Digitalisierung konnte ich in der DB App
verfolgen, wie der Zug, in den wir umsteigen wollten näher kam. Nur dass der
heute gar nicht weiterfuhr, zeigte die App nicht an. So nahmen wir den nächsten
Zug, der natürlich entsprechend voll war.
Bahnhof in Valence (Bild: Klaus Dapp)
Mit einer Gruppe
holländischer Rennradfahrer, die mit Fahrradtasche, Fahrrad und Rollkoffer
unterwegs waren, einem sichtlich überforderten deutschen Rentnerpärchen und
zwei französischen Radfahrenden war das Radabteil eigentlich übervoll, aber das
Zugpersonal und die Mitreisenden tolerierten das Chaos und akzeptierten, dass
die Räder nicht an den Haken aufgehängt werden, was bei dem engen Abstand zur
Decke vermutlich nicht gegangen wäre.
Wir waren froh, als wir in Avignon ankamen und schnell
unser Hotel fanden. Danach machten wir uns zur Fuß auf in die schöne Altstadt,
zur berühmten Brücke und zum Papstpalast. Nach einem sehr leckeren Essen gingen
wir zurück zu unserer Unterkunft. Ich erledigte schnell die Kleiderwaschroutine
und mit einem kleinen Pastis ließen wir den Tag ausklingen.
Stadttor von Avignon (Bild: Klaus Dapp)Neue Straßenbahn in Avignon (Bild: Klaus Dapp)Brücke von Avignon (Bild: Klaus Dapp)Wegweiser ViaRhona (Bild: Klaus Dapp)