Preise, Reklamationen, Unfälle und andere „böse Fragen“ (Besuch bei HP Velotechnik – Teil 5)

Mein Premiumhändler Fahrrad Claus (Bild: Klaus Dapp)

Mein Premiumhändler Fahrrad Claus (Bild: Klaus Dapp)

Unter dem Stichwort „böse Fragen“ wollte ich die Gelegenheit meines Besuchs bei HP Velotechnik nutzen, um noch etwas mehr hinter die Kulissen zu schauen.

Lebensdauer

Liegeräder sind nicht billig und deshalb interessierte mich die Frage nach der Lebensdauer. Die hängt natürlich von der Beanspruchung ab und gleichzeitig haben viele Besitzerinnen und Besitzer eines Liegerades eine enge Beziehung dazu und investieren Zeit und/oder Geld in die Pflege. Alexander Kraft konnte mir die Frage nur so beantworten, dass noch Modelle aus den ersten Jahren unterwegs sind. Da HP von seinen Produkten überzeugt ist, gibt es auch die 10Jahre Garantie auf den Rahmen. Um diese Garantie geben zu können, gibt es nicht nur ein strenges Qualitätsmanagement sondern auch einen Teststand, auf dem die Belastbarkeit von Fahrrädern und Teilen ausgetestet wird. Als Ergebnis kommen Rahmenbrüche nur in seltenen Einzelfällen vor.

Preise

Liegeräder sind nicht billig – das müssen sie nach meiner Meinung auch nicht sein. Wichtig ist, dass sie ihren Preis wert sind. Ich bin schon erschrocken, als ich mir zur Vorbereitung die Preisentwicklung meines Grasshoppers von Herbst 2014 bis Januar 2016 angeschaut habe. Bei einer allgemeinen Inflationsrate von unter einem Prozent stiegen die Anschaffungskosten um acht Prozent an.

 20142016Steigerung
Grasshopper in meiner Ausstattung5.228 €5.649 €8 %
Grundpreis Grasshopper2.390 €2.690 €12,5 %
Sonderfarbe119 €159 €33 %
Rohloff1.160 €1.160 €0 %
SockShox Monarch Dämpfer169 €209 €24 %
SON Lichtanlage449 €459 €2 %
Shimano Bremse XT368 €338 €- 8 %

Spannend war dabei die in der Tabelle dargestellte Verteilung der Preissteigerung. An dieser konnte mir Alexander Kraft sehr gut aufzeigen, welche Teile in Dollar, Yen und Euro bezahlt werden. Während die Teile in Euro wie die Rohloff-Schaltung oder der Nabendynamo nicht oder nur im Rahmen der allgemeinen Inflationsrate teurer wurden, stiegen die Preise für Teile aus dem Dollarraum wie der Rahmen oder die RockShox Gabel deutlich. Produkte aus dem Yen-Raum wurden dagegen billiger – und aus meiner Sicht besonders erfreulich – diese Preissenkungen wurden auch weitergegeben. Wie beispielsweise die Pressemitteilungen aus 2005 zeigen ist das bei HP nichts Neues. In anderen Wirtschaftszweigen jedoch völlig unüblich. So kassieren die Fluggesellschaften trotz ständig sinkender Kerosinpreis immer noch einen Kerosinzuschlag. Das betrifft mich nicht, aber offensichtlich hat auch der Rhein-Main-Verkehrsverbund keine Hemmungen, die übliche Preissteigerung mit gestiegenen Energiepreisen zu begründen. Und das obwohl Strom und Treibstoffe für Großkunden in den letzten Jahren erheblich zurückgingen.

Interessiert hat mich natürlich auch die Frage, inwieweit die Möglichkeiten des Baukastensystems ausgenutzt werden. Ein wenig überrascht war ich schon, dass der durchschnittliche Preis bei etwas über 3.000 Euro liegt … da hatte ich doch mehr erwartet.

(Premium-)händler

Das Thema „Pannen beim Fahrradhändler“ ist in meinem Bekanntenkreis fast so ergiebig wie „Pannen bei der Bahn“ oder „Ärger mit Handwerkern“. Ich wollte deshalb von Alexander Kraft wissen, was die Kriterien sind, um als „Premiumhändler“ bei HP anerkannt zu werden. Ziel von HP ist es, dass Premiumhändler Liegeräder authentisch verkaufen können und die Kundinnen und Kunden auch aus eigener Erfahrung beraten können. HP spricht in der Regel Händler deshalb nicht aktiv an. Für die Händler bietet HP umfassende Fortbildungen an und pflegt auch durch die Teilnahme an Fachmessen den Kontakt zu den Händlern. Darüber hinaus hat HP eine große Vertriebsabteilung zur Unterstützung der Händler. Händler in Übersee werden durch „nativ Speaker“ unterstützt. Der Vertriebschef und die Regionalmitarbeiter sind bei den Händlern in Deutschland teilweise auch unterwegs, angestrebt wird ein ständiger Kontakt. Einen festen Gebietsschutz für die Händler gibt es nicht, aber enge bestehende Kontakte und Verbindungen sollen auch nicht beschädigt werden. Die zunehmenden Verkaufszahlen sind für HP ein Hinweis darauf, dass sich diese Strategie bewährt.

Das einzige harte Kriterium für die Anerkennung als Premiumhändler ist die laufende Bereithaltung von mindestens fünf Modellen. Eine Überprüfung der Werkstattleistungen im Sinne eines Prüfbesuchs findet nicht statt. Das ist für Zweiräder auch weniger kritisch, da hier zu Standardrädern vergleichbare Arbeiten anfallen. Bei Dreirädern gibt es dagegen Aufgaben wie die Einstellung der Spur, die spezielles Wissen benötigen. Dies ist ein Grund dafür, dass diese Kurse am meisten nachgefragt werden.

Wie auch bei Fragen und Anregungen zu den Modellen ist HP Velotechnik auch in diesem Bereich an Rückmeldungen interessiert – auch wenn nicht immer eine einvernehmliche Regelung garantiert werden kann.

Unfälle

Da ich selber schon ein Liegerad völlig zerstört habe, wollte ich wissen, ob es Erfahrungen mit Unfällen gibt. Auch bei HP gibt es keine statistisch belastbaren Auffälligkeiten. Es gilt die allgemeine Aussage, dass die Fallhöhe geringer ist. Ansonsten bleiben die vielen Unbekannten wie die teileweise sehr hohe Fahrleistung, die teilweise höheren Geschwindigkeiten usw., die eindeutige Aussagen schwer bis unmöglich machen. Auch zu meiner Frage nach einer höheren Gefährdung durch Obenlenker auf Grund meiner persönlichen Erlebnisse liegen bei HP keine Erkenntnisse vor. Positiv gesprochen, es passiert zu wenig für eine belastbare Unfallstatistik. Dass dies in der öffentlichen Wahrnehmung zum Teil anders ist, liegt auch an der medialen Aufbereitung. Ein verunglückter Liegeradfahrer erzeugt einfach mehr Aufmerksamkeit als ein Radfahrer, völlig unabhängig davon, ob das Liegerad ursächlich für den Unfall oder dessen Schwere war. Hier plauderte Alexander Kraft auch aus dem Nähtäschchen … immerhin hat er 20 Jahre Journalismus-Erfahrung und es gilt „das Besondere erhöht die Einschaltquote“.

Tag der offenen Tür 2016

Nachdem ich den Termin des Tages der offenen Tür 2016 im Velomobilforum als Beitrag eingestellt habe, kamen Fragen nach dem Programm und dem Probeparcours. Auch hier wollte ich die Gelegenheit nutzen und kann folgenden Planungsstand wiedergeben: Es soll neben den Werksführungen und der Einführung von Paul Hollants und Daniel Pulvermüller wieder einen Vortrag über eine besondere Tour mit einem HP Rad geben. Dies wird wahrscheinlich ein Beitrag von Matthias Ramsel zu seinter Kite-Tour werden. Die Frage aus dem Velomobilforum zur Größe des Probeparcours konnte Alexander Kraft noch nicht beantworten. Die Veranstaltung muss bei den zuständigen örtlichen Behörden angemeldet werden und dabei wird entschieden, wo überall Fluchtwege freigehalten werden müssen.

Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen zu kommen und diesmal möglichst mit meinen Grasshopper.