Archiv der Kategorie: Bahn und Rad

Alpe-Adria Tag 17: Basel – Darmstadt (4.853 km)

Nicht mal ein Bild … so ereignislos lief dieser Tag. Nach einem gemütlichen Frühstück machten wir uns auf zum  Badischen Bahnhof. Dort stieg ich in den durchgehenden IC nach Darmstadt. Diesen Luxus einer durchgehenden Verbindung erkaufte ich mit alten Interregio-Wagen ohne Klima-Anlage. Ohne Probleme kam ich so nach Darmstadt und hatte keine Ausrede, meine Sachen nicht gleich in die Waschmaschine zu werfen oder aufzuräumen. Eine schöne Tour war zuende …

und ich brauchte dann noch fast fünf Monate, bis dieser Blog-Beitrag geschrieben war – wie immer veröffentlicht unter dem Datum, an dem es passiert ist. Allen Leserinnen und Lesern an dieser Stelle Danke für die Geduld.

Alpe-Adria Tag 16: Mailand – Basel (4.848 km)

Grasshopper im Mailänder Bahnhof vor dem IC in die Schweiz (Bild: Klaus Dapp)

Grasshopper im Mailänder Bahnhof vor dem IC in die Schweiz (Bild: Klaus Dapp)

Warum nur bin ich auf die Idee gekommen, am Abend vor unserer Rückfahrt auf die Internetseite der SBB zu gehen. Dort entdeckte ich, dass die SBB die Transportbedingungen kurzfristig geändert hat. Dort heißt es jetzt „Der Transport von Tandems, Liegerädern, Dreiräder und weiteren Velos länger als zwei Metern ist aus Platz und Sicherheitsgründen in IR-, IC-, ICN- und EC-Zügen der SBB nicht möglich.“ Ich träumte daher von dramatischen Szenen und schlief schlecht.

Am Vormittag fuhren wir mit der U-Bahn in die Stadt und besichtigen noch ein paar Sehenswürdigkeiten. Nachdem es für das Flanieren zu heiß wurde, schauten wir uns noch Parks an… und ich hielt einen schönen Mittagsschlaf im Schatten.

Am Nachmittag fuhren wir zurück ins Hotel und holten die Räder und das Gepäck ab. Gemütlich radelten wir zum Bahnhof. Etwas mulmig war uns schon als wir uns in den langen Schlangen vor der Sicherheitskontrolle anstellen mussten. Das ist wirklich ein gutes Anschlagsziel… wirklich kontrolliert hat niemand. Ein Wedeln mit unseren analogen Papierfahrkarten reichte völlig aus. Unsere vollen Packtaschen interessierten Niemanden.

Nach einer Weile kam unser Zug. Das Personal verschwand sofort Richtung Pausenraum. Die Wagennummern stimmten nicht mit unseren Reservierungskarten überein, aber es gab nur einen definierten Platz für unsere Räder. Mein zusammengefalteter Grasshopper ließ sich gut verstauen – nur der Lenker von Antje ragte in den Gang. Endlich ein guter Einsatzzweck für Antjes roten Helm… Als ein schweizer Rentner meinte sich über die von uns genutzte Gepäckfläche aufamseln zu müssen, reichte ein kurzer Blick. Er erkannte dann wohl auch, dass sein Koffer bestens zwischen die Sitze passte.

Zusammengefalteter Grasshopper und Antjes Rad im IC nach Basel (Bild: Klaus Dapp)

Zusammengefalteter Grasshopper und Antjes Rad im IC nach Basel (Bild: Klaus Dapp)

Wir gingen dann beruhigt in den Speisewagen und genossen ein Weizen mit Blick auf den Lago Maggiore … und einem sichtlich begeisterten tessiner Speisewagenkellner, der uns gerne seine Heimat zeigte.

In Basel luden wir die Räder aus. Ich faltete den Grasshopper auf und wir konnten die letzen Meter fahren.

Alpe-Adria Tag 14: Triest – Mailand: Bahnerfahrungen im Italien (4.840 km)

Vorhalle des Mailänder Hauptbahnhofs (Bild: Klaus Dapp)

Vorhalle des Mailänder Hauptbahnhofs (Bild: Klaus Dapp)

Gemütlich fuhren wir zum Triester Bahnhof. Dort fand sich auch ein Zugbegleiter, der uns noch erklärte, wie wir eine Fahrradkarte kaufen und entwerten, damit wir keinen Zuschlag zahlen müssen. Bis Venedig war das Fahrradabteil dann richtig voll. In einer Gemeinschaftsaktion luden wir in Venedig Mestre aus.

Aufgehängte Fahrräder in der Regionalbahn (Bild: Klaus Dapp)

Aufgehängte Fahrräder in der Regionalbahn (Bild: Klaus Dapp)

Schutzblechschaden durch die Aufhängung (Bild: Klaus Dapp)

Schutzblechschaden durch die Aufhängung (Bild: Klaus Dapp)

Etwa 10 Personen mit Rädern wollten in den Zug nach Verona – nach dem Einfahren kann ein Zugbegleiter mit rotem Kopf und brüllte wild gestikulierend, dass nur zwei Räder zusätzlich in das mit nur zwei Rädern belegte Radabteil dürfen. Auch die Intervention zweier italienischer RadlerInnen brachte keinen Erfolg.

Um unsere Chancen auf die Weiterfahrt zu vergrößern, faltete ich den Grasshopper und stellte es im nächsten Zug einfach in eines der großen Gepäckabteile… die Strategie ging auf und alle Wartenden kamen mit nach Verona.

Zusammengefalteter Grasshopper im Gepäckabteil (Bild: Klaus Dapp)

Zusammengefalteter Grasshopper im Gepäckabteil (Bild: Klaus Dapp)

Auch das letzte Stück nach Mailand lief problemlos, da hätte ich den Grasshopper auch entfaltet hinstellen können. Es ist wirklich schade, dass durch das Verhalten einzelner Bahnmitarbeiter das ganze System in Misskredit gebracht wird.

Die Fahrt zum Hotel verlief ohne Probleme. Die Straßen sind breit und werden pragmatisch genutzt. Nach einer erfrischenden Dusche haben wir im angrenzenden Uni – Viertel ein Restaurant gesucht… kein einfaches Unterfangen. Unser Hotel lag in einem Entwicklungsbereich. Zwischen Industriebrachen und einem Urban Entertainment Center (wer da trotz der spannenden Innenstadt hingeht?) liegen Wohnhochhäuser für die Studierenden und das zentrale Unigebäude. Das Ganze wurde in den letzten Jahren neu gebaut und wirkt noch sehr steril – gleichzeitig zeigen sich etliche Bauschäden wie abblätternde Fassaden und defekte Wege, so dass ein ziemlich heruntergekommener Eindruck entsteht. Wir verwöhnten uns mit einem leckeren Bier vom Fass.

Liegerad(-kunst) im Museum (4.060 km)

Liegeradler in der Rheinausstellung "Mémoire du Rhine" im Naturpark Petite Camargue (Bild: Klaus Dapp)

Liegeradler in der Rheinausstellung „Mémoire du Rhine“ im Naturpark Petite Camargue (Bild: Klaus Dapp)

Eigentlich sollte es von diesem kleinen Ausflug gar keinen Beitrag geben. Fast hätte ich meinen Grasshopper wegen der trüben Aussichten gar nicht im Zug mitgenommen … aber da ich zwei durchgehende ICs entdeckt hatte, wollte ich endlich mal wieder Radeln. Auf der Hinfahrt habe ich den gefalteten Grasshopper in der Husse eingetütet als Gepäck mitgenommen, da das Radabteil ausgebucht war. Ab Freiburg war es dann leer und ich konnte bis Basel in Ruhe auffalten… es fehlt mir an Routine und ich mache das geme mit meiner Schritt-für-Schritt-Anleitung. Für die Rückfahrt hatte ich eine Reservierung und musste nicht falten.

Markt in St. Luis (Bild: Klaus Dapp)

Markt in St. Luis (Bild: Klaus Dapp)

So konnte ich liegend mit zum Markt nach Saint-Louis fahren, der diesmal die ganze Innenstadt umfasste. Bepackt mit Käse, Wein und anderen Leckereien fuhren wir dann weiter in das Naturreservat „Petite Carmargue“. In einer Ausstellung zur Begradigung des Rheins fand ich dann den schönen Liegeradler, der Grund für diesen Beitrag ist. Leider konnte ich keine weiteren Informationen über das Kunstwerk bekommen.

Schwarzwald Panoramaradweg – 1. Tag: Pforzheim – Bad Wildbad (3.698 km)

Enz bei Pforzheim (Bild: Klaus Dapp)

Enz bei Pforzheim (Bild: Klaus Dapp)

Da haben uns alle für verrückt erklärt, an diesem frühen Ostern in den Schwarzwald zu radeln. Und wir haben in den Wochen vorher doch ziemlich nervös die Webcams und die Wettervorhersagen angeschaut … aber es sah gut aus.

Wir wollten uns in Pforzheim treffen, dem Ausgangspunkt des Schwarzwald Panoramaradwegs. Leider hat die Deutsche Bahn mal wieder alle Register gezogen … erst waren es nur 5 bis 10 Minuten wegen „Störung im Betriebsablauf“ bei Göttingen … und dann ist bei Friedberg auf dem Nebengleis die Oberleitung runtergekommen. Aber das hat sicher nichts mit mangelnder Wartung zu tun und war mindestens höhere Gewalt. Eigentlich hätte ich es ja wissen müssen, dass 15 Minuten zum Umsteigen nicht reichen. Auf der anderen Seite habe ich es schon sehr oft erlebt, dass Verspätungen in Karlsruhe wieder eingeholt waren … da ist ja auch Endstation für das Personal … ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Mit einer Stunde Verspätung war es dann vollbracht – wir trafen uns in Pforzheim am Hauptbahnhof. Schnell haben wir uns noch die aktuelle Radkarte der Landesvermessung Baden-Württemberg gekauft – wie gut, dass sich im Internet recherchieren lässt, wo eine Buchhandlung am Weg liegt.

Katholische Kirche in Neuenbürg aus den 1950er Jahren (Bild: Klaus Dapp)

Katholische Kirche in Neuenbürg aus den 1950er Jahren (Bild: Klaus Dapp)

Dann sind wir GPS-geleitet und mit regelmäßigen Blicken auf die Beschilderung zur Enz gefahren und langsam Richtung Bad Wildbad aufgestiegen. Nach dem Frieren auf dem Bahnsteig und dem langen Rumsitzen im Zug war das richtig klasse – auch wenn es ziemlich kühl war. Da war die warme Dusche im Quartier gleich doppelt schön.

Für einen Besuch der bekannten Therme war es uns zu spät … und so haben wir uns einen Platz zum Abendessen gesucht. Ein erstes gutes Zeichen waren die älteren Herrschaften, die uns im Eingang entgegenkamen und im breiten Schwäbisch begrüßten. Und so ging es auch weiter – gewickelte Maultaschen in der Brühe und natürlich mit Kartoffelsalat (den „richtigen“ ohne Majonäse!), dazu einen guten Trollinger Lemberger. So bereiteten wir uns auf den nächsten Tag vor.

Bis auf eine Störung verlief die Nacht angenehm ruhig. Nadine und Flo – uns bis 3:00 Uhr unbekannte Gäste – suchten noch ihr Zimmer und hatten danach noch einigen Spaß miteinander, bis ihre Freunde draußen rumblökten, da sie ihren Schlüssel nicht dabei hatten…

Bodensee-Tour 20. Tag: Basel – Darmstadt (2.911 km)

Münster in Basel (Bild: Klaus Dapp)

Münster in Basel (Bild: Klaus Dapp)

So schönes Wetter hätte ich am Rückreisetag gar nicht gebraucht. So radelte ich bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen Richtung Münster, um noch die aktuelle Ausstellug im Cartoonmuseum. Dieses kleine Museum ist immer einen Besuch wert!

Badischer Bahnhof in Basel (Bild: Klaus Dapp)

Badischer Bahnhof in Basel (Bild: Klaus Dapp)

Danach radelte ich zum Badischen Bahnhof in Basel und faltete ganz in Ruhe das Rad zusammen. Bei der einzigen täglichen Verbindung mit nur einem Umsteigen werden schweizer Reisezugwagen eingesetzt, die jeweils zwei Hängeplätze pro Wagen haben. Nach einem angekündigten und dann wieder zurückgerufenen Gleiswechsel am selben Bahnsteig kam der Zug in der richtigen Wagenreihung und vollständig. Dann macht ich den Fehler, eine Frau mit Koffer vorzulassen. Der fiel dann ein, direkt im Eingangsbereich stehen zu bleiben und Ihren Reservierungszettel zu suchen. Ich hing mit Rad und Satteltaschen über den Schultern in der Tür… es gelang mir ruhig darauf hinzuweisen, dass ich gerne zum Fahrradplatz will. Sie blickte mich völlig überrascht an, machte dann aber doch Platz. Nach dem Abstellen von Rad und Taschen habe ich höflich gefragt, wo ihr Problem liegt und habe ihr dann auch noch erklärt, wo ihr Wagen ist. Es ist immer wieder erstaunlich, dass manche Menschen weder Zuganzeiger noch Wagennummer lesen können…

Die Zugbegleiterin konnte den gefalteten Grasshopper nicht als Rad nicht erkennen, als ich zur Vermeidung von Bombenwarnungen darauf hinwies, dass das rechte der beiden Räder von mir sei. So gab es wenigstens keinen sinnlosen Ärger wegen irgendwelcher Befestigungsfragen.

Da im Karlsruhe das neue Personal noch nicht da war, warteten wir noch ein wenig. Wie so oft verlägerte sich die Verspätung noch, so dass aus meinen 29 Minuten Umsteige Zeit noch ca. 10 wurden. Da vor dem Aufzügen eine lange Schlange wartete, habe ich den Grasshopper zusammengefaltet auf das Abfahrtsgleis geschleppt. Da auch die Radabteile in der Regionalbahn nach Darmstadt gut gefüllt waren, war das eine gute Entscheidung. Leider meinte dann ein „cooler“ Mountainbiker sein Rad so „cool“ hinstellen zu müssen, dass beim ersten Halt alles umfiel… Schuld war seiner Meinung nach der Lokführer, der ja wohl nicht so stark bremsen sollte.

Endlich erreichte ich Darmstadt und das große Waschen, Aufräumen usw. konnte beginnen. Und eine Erkenntnis hat der letzte Urlaubstag wieder gebracht: Rad im Zug ist immer wieder ein Abenteuer. Ich bin froh, dass ich beim Grasshopper die Faltmöglichkeit habe.

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Bodensee-Tour 1. Tag: Darmstadt – Ulm (2.134 km)

Blick auf das Ulmer Münster (Bild: Klaus Dapp)

Blick auf das Ulmer Münster (Bild: Klaus Dapp)

Ich gebe offen zu, dass ich nach den letzten Bahnerfahrungen mit und ohne Rad überhaupt keine Lust auf die Aktion hatte. Das Ganze begann damit, dass schon sechs Wochen vorher in meinem gewünschter Zug keine Radreservierung mehr zu bekommen war. Also fuhr ich einen Tag früher.

Auch die Internetinformation, dass mit starker Nachfrage zu rechnen ist, stimmte mich ebenso wenig positiv wie der Wetterbericht mit 38 Grad. Am Bahnhof wurde dann noch angesagt, dass ein Wagen fehlt. Da habe ich den Grasshopper gefaltet, obwohl das in den eingesetzten Wagen eigentlich nicht erforderlich sein sollte. Ich wollte keinen Stress!

Zusammengefalteter Grasshopper im Hauptbahnhof in Darmstadt (Bild: Klaus Dapp)

Zusammengefalteter Grasshopper im Hauptbahnhof in Darmstadt (Bild: Klaus Dapp)

Im Zug kam dann noch gleich nach dem Einsteigen die Durchsage, dass die Reservierungsanzeige nicht funktioniert. Ich stellte den zusammengefalteten Grasshopper an meinen reservierten Fahrradplatz, hängte den Trageriemen in die Wandhalterung und fixierte zusätzlich mit einem Spanngurt. Dann setzte ich mich unter die Klimaanlage, die einen Teil des Großraumabteils tatsächlich kühlte. Zu meiner großen Überraschung verlief die Fahrt ruhig und ohne Rumgezicke des Begleitpersonals. Mit nur zehn Minuten Verspätung kam ich entspannt in Ulm an. Dort entfaltete ich den Grasshopper unter Anteilnahme der Bevölkerung… nach fünf Minuten war das Rad fahrbereit… und nach weiteren zehn Minuten hatte ich auch die Husse in ihrem Transportsäckchen.

Danach radelte ich zum Hotel. Die Sehenswürdigkeiten konnte ich erlaufen. Die Radinfrastruktur in Ulm hat sich zwar in den letzten Jahren verbessert … aber da ist noch Einiges zu tun. Dazu kommt, dass die Innenstadt sehr kompakt ist. So schlenderte ich durch die heiße Stadt, wo sich vor allem an den Brunnen bzw. Wasserspielen und an der Donau bzw. ihren Zuflüssen Menschen tummelten. Auch das kühle Münster war rege besucht. Auf eine Turmbesteigung verzichtet ich – es war mir zu heiß.

Als letztes Tagwerk packte ich den vorausgeschickten Koffer aus und bereitete die Satteltaschen vor. Dieser Umweg über den Koffer war notwendig, da ich nur ein Gepäckstück kostenlos verschicken kann. So fährt jetzt der leere Koffer wieder zurück nach Darmstadt…

Zur Übernachtung: Comfor-Hotel Ulm, Fahrrad stand sicher im Treppenhaus, ruhiges Zimmer, nettes und kompetentes Personal, umfangreiches Frühstücksbuffet, WLAN, ca. 95€/Nacht im Einzelzimmer

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…damit wir klug werden

Kampagnenfoto des Klimabündnisses: Warum Bleifuß, wenn ich einen Knackarsch haben kann (Bild: Klimabündnis)

Kampagnenaktion des Klimabündnisses: Warum Bleifuß, wenn ich einen Knackarsch haben kann (Bild: Klimabündnis)

Unter dem Motto „damit wir klug werden“ stand der 35. Evangelische Kirchentag, der vom 3. bis 7. Juni 2015 in Stuttgart stattfand. Der Kirchentag behandelt eine große Bandbreite von gesellschaftlich relevanten Themen. Dazu gehört auch das Thema Nachhaltigkeit … auch als Bewahrung der Schöpfung bezeichnet. Neben der thematischen (theoretischen) Auseinandersetzung in Veranstaltungen wie einer Podiumsdiskussion zu Planungsprozessen nach Stuttgart 21 oder der Vorstellung von Aktivitäten der Klimainitiative beim Markt der Möglichkeiten versucht der Kirchentag auch, die Veranstaltung selbst möglichst nachhaltig zu gestalten. Das Spektrum reicht dabei von Ernährung bis Mobilität.

Daran wollte ich diesmal aktiv mitwirken. Deshalb habe ich mich als Fahrradkurier gemeldet. Direkt nach einer zweiwöchigen Radtour war ich ziemlich sicher, dass mich ein bisschen durch Stuttgart Radeln nicht überfordern würde. Da zu einem großen Teil auch schwerere oder sperrigere Sachen transportiert werden sollten, habe ich meinen Anhänger und das Birdy mitgenommen. Eine gute Wahl, da ich Dank des kleinen Wendekreises auch innerhalb der Hallen gut rangieren konnte… ein Vorteil gegenüber den ansonsten eingesetzten Lastenrädern. Diese verfügten dafür über E-Unterstützung, was gerade an den steileren Passagen oder schweren Transporten sehr hilfreich war.

Dass ich damit andere Muskeln als in den letzten beiden Wochen auf dem Liegerad einsetzen würde, war mir theoretisch klar … in der Praxis haben mir das massive Muskelkrämpfe in der ersten Nacht gezeigt. Dazu kam noch die große Hitze… mit um die 30 Grad war es mir deutlich zu warm.

Um so mehr habe ich mich gefreut, dass ich trotzdem regelmäßig unterwegs war und von der Wäsche des „Gläsernen Restaurants“ einer gesamten Tagesschicht bis zum USB-Stick alles Mögliche durch Stuttgart gefahren habe… und Stuttgart ist teilweise wirklich ganz schön steil. An sehr vielen Stellen wird auch klar, dass Stuttgart jahrzehntelang „unter einem guten Stern“ stand und der Straßenraum entsprechend autofreundlich gestaltet ist. Vor dem Hauptbahnhof konnte mit auch die dort anwesende Polizei nicht erklären, dass direkt hinter dem Einfahrtsverbot ein Fußweg für Radfahrer freigegeben ist – ob sich da wohl jemand einen kurzen Absprung vorgestellt hat. Da ist noch viel zu tun.

Leider war es in den Zelthallen des Marktes der Möglichkeiten unerträglich warm, so dass ich dort nur einmal kurz vorbei geschaut habe und mich bei der Klimainitiative bei der Fotoaktion im Rahmen der Kampagne „Gutes Leben ist einfach“  beteiligt habe. Eigentlich wollte ich die Phasen mit geringer Auslastung der Fahrradkuriere nutzen, um die die Hallen anzusehen. Aber ich habe natürlich auch versucht, vom inhaltlichen Programm etwas mitzunehmen. Im Bad Cannstädter Kursal habe ich wohltemperiert Beiträge des Kirchentag Kabarettprogramms angeschaut und der Abschlussgottesdienst mit ca. 95.000 Teilnehmenden war beeindruckend.

Die heutige Rückfahrt mit der DB lief nicht besonders gut. Die Nachfrage war auch am Nachmittag (16:00 Uhr) wegen des Kirchentages ziemlich hoch. Leider fehlte das Bistro und die dort vorhandenen Plätze außerdem ging im Wagen mit dem Fahrradabteil die Klimaanlage nicht. Die anderen Wagen waren deshalb natürlich auch völlig überfüllt. Und um das noch zu toppen war im Darmstädter Hauptbahnhof der Aufzug defekt, so dass ich den Anhänger die Treppe hochzerren durfte. Aber das kam sicher ebenso überraschend wie der Sommer in Deutschland … die eine Tür des Aufzugs ging ja schon seit mehreren Monaten nicht mehr und Rollstühle, Kinderwagen usw. mussten auf einer Ebene immer rückwärts den Aufzug verlassen.

Klein und geschmeidig (1.100km)

Grasshopper im Eurocity (Bild: Klaus Dapp)

Grasshopper im Eurocity (Bild: Klaus Dapp)

Nachdem ich doch einige Testläufe gebraucht habe, bis ich das Falten hinbekommen habe. Konnte ich auf dem Mainzer Hauptbahnhof dann doch beeindrucken … auch wenn ich deutlich länger als die eine Minute gebraucht habe. Leider kommen bei mir so ein paar kleine Umbauten wie das Versetzen des Tachos dazu, die auch in einer exakten Reihenfolge durchgeführt werden müssen. Das Ein- und Aussteigen hat gut funktioniert – die schweizer Wagen haben einen erfreulich breiten Einstieg.

In Basel angekommen habe ich dann endlich mal wieder die Kette mit Profi Dry Lube geschmiert … das war nach 300 Kilometern wieder notwendig.

Von Residenz zu Residenz (1038km)

Schloss Karlsruhe (Bild: Klaus Dapp)

Schloss Karlsruhe (Bild: Klaus Dapp)

Da ich beruflich öfter in Karlsruhe bin, weiß ich, dass auf der Bahnverbindung brauchbare Fahrradwagen eingesetzt werden. Ich habe mir deshalb eine Reservierung besorgt und sogar auf Nachfrage erfahren, dass es möglich ist für Spezialräder eine Reservierung für Tandems zu bekommen.

Die Ernüchterung fing schon im Hauptbahnhof an … es wurde angekündigt, dass im Zug keine Reservierungen angezeigt werden. Aber immerhin war ein Fahrradwagen da (im Gegensatz zur Fahrt nach Uelzen). Es war dann auch gut, dass keine Reservierungen angezeigt waren. Die Tandemplätze sind die Plätze mit den Haken an der Decke, die damit für einen Kurzlieger vollig ungeeignet sind, da ich ja das Vorderrad nicht einhängen kann.

In Karlsruhe bin ich dann nicht dem Routenvorschlag des Radroutenplaners Baden-Württemberg gefolgt und bin um die Straßenbahn-Großbaustelle herum gefahren. Nach dem Schloss führt dann der asphalterierte Weg eben bis leicht bergab erst einmal gerade durch den Wald.

Allee vom Karsluher Schloss nach Graben (Bild: Klaus Dapp)

Allee vom Karsluher Schloss nach Graben (Bild: Klaus Dapp)

Nach einiger Zeit habe ich das 1956 gegründete Kernforschungszentrum Karlsruhe erreicht. Der Name wurde inzwischen geändert und die Wiederaufarbeitungsanlage und andere Teile der Forschung zur Atomenergie werden inzwischen rückgebaut … allerdings ist das 2009 im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) aufgeganene Fernforschungszentrum auch heute noch für die Nutzung der Atomenergie aktiv.

Forschungsreaktor des Kernforschungszentrums Karlsruhe (Bild: Klaus Dapp)

Forschungsreaktor des Kernforschungszentrums Karlsruhe (Bild: Klaus Dapp)

Ehemalige Wiederaufarbeitungsanlage des Kernforschungszentrums Karlsruhe (Bild: Klaus Dapp)

Ehemalige Wiederaufarbeitungsanlage des Kernforschungszentrums Karlsruhe (Bild: Klaus Dapp)

Auch das nächste Zwischenziel hat ein strahlendes Thema – das Atomkraftwerk Philippsburg, dessen Block zwei noch bis 2019 laufen soll. Block 1 wurde nach Fukushima 2011 abgeschaltet und nicht wiederangefahren.

Atomkraftwerk Phillipsburg (Bild: Klaus Dapp)

Atomkraftwerk Phillipsburg (Bild: Klaus Dapp)

Im weiteren Verlauf strahlte vor allem die Sonne … und in Rheinhausen habe ich eine Pause mit Rheinblick gemacht.

Rasplatz am Rhein bei Rheinhausen (Bild: Klaus Dapp)

Rastplatz am Rhein bei Rheinhausen (Bild: Klaus Dapp)

In unmittelbarer Nähe hat es sich noch ein Storch bequem gemacht.

Storch bei Rheinhausen (Bild: Klaus Dapp)

Storch bei Rheinhausen (Bild: Klaus Dapp)

Das nächste Zwischenziel war das Schloss in Schwetzingen. Die Anlage ist auch von außen beeindruckend … wieder ein Ziel für die „da muss ich noch mal hin“-Liste.

Schloss in Schwetzingen (Bild: Klaus Dapp)

Schloss in Schwetzingen (Bild: Klaus Dapp)

Das Spargeldenkmal auf dem Marktplatz soll an den berühmten Schwetzinger Spargel erinnern … mich hat das zu einem kurzen Mittagessen inspiriert. Danach ging es dann weiter Richtung Mannheim.

Spargelbäuerin auf dem Schwetzinger Marktplatz (Bild: Klaus Dapp)

Spargelbäuerin auf dem Schwetzinger Marktplatz (Bild: Klaus Dapp)

Auf dem nächsten Abschnitt habe ich dann die Sand-Gängigkeit des Grasshoppers ausgereizt. Die Wegstecke war teilweise gerade noch befahrbar und ein einigen Stellen war mir nicht ganz nachvollziehbar, warum ich über sandige Feldwege geeiert bin und in etwas Abstand ein kleines Sträßchen verlief. Ich war deshalb froh, in Ladenburg an die Neckarbrücke zu kommen. Und jetzt weiß ich endlich, dass das Brückenstück, das ich oft vom Zug aus sehe, nicht eine alte Brücke ist sondern eine begehbare Skulptur.

Brückenskulptur in Ladenburg am Neckar (Bild: Klaus Dapp)

Brückenskulptur in Ladenburg am Neckar (Bild: Klaus Dapp)

Mein nächstes Zwischenziel war der Bahnhof in Mannheim-Friedrichsfeld. Dort hätte ich in die Regionalbahn nach Darmstadt steigen können. Da ich mich aber noch ganz gut fühlte, habe ich mich entschlossen, weiter zu fahren. Dabei habe ich auch die ersten 1000 Kilometer mit dem Grasshopper erreicht.

1000 Kilometer (Bild: Klaus Dapp)

1000 Kilometer (Bild: Klaus Dapp)

Mit der Zeit wurden nicht nur die Beine müde und ich habe mich gefreut, als die Starkenburg oberhalb von Heppenheim sehen konnte.

Starkenburg oberhalb von Heppenheim (Bild: Klaus Dapp)

Starkenburg oberhalb von Heppenheim (Bild: Klaus Dapp)

Die Radwegeführung in Heppenheim und insbesondere in Bensheim ist zum Abgewöhnen. Offensichlich hat die Stadt Bensheim einen teil der Radwegebeschilderung abgebaut, die Autofahrer sind aber gewöhnt, dass Radfahrer nicht auf der B3 fahren und auf die Gehwege flüchten, diese sind aber gleichzeitig zugeparkt, da sie ja offziell kein Radweg mehr sind. Das muss ich mir für zukünftige Fahrten an der Bergstraße unbedingt merken.

In Alsbach-Hähnlein wollte ich eigentlich in die Straßenbahn steigen und mir die restlichen Kilometer sparen … leider hatte ich die gerade verpasst. Also bin ich noch weiter nach Darmstadt-Eberstadt gefahren. Nur die letzten 3 Kilometer habe ich mir dann doch gespart – da gilt ja auch meine Jahreskarte.

Der erste Langzeittest ist gemacht – 120 Kilometer ohne Rücken- oder Nackenschmerzen waren zwar anstrengend haben aber auch Spaß gemacht. Und falls jemand ins Höhenprofil schaut … ja, es ging bergab und das war auch gut so!