Kategoriearchiv: Grasshopper fx Liegerad

Im Stich gelassen… (7.411 km)

Da wollte ich rasch noch einen Weihnachtsbrief wegbringen … und dann hat mich der Grasshopper im Stich gelassen.

Schon beim Losfahren wunderte ich mich über ein merkwürdiges Rasselgeräusch. Das ignorierte ich eine Weile, bis daraus ein grauseliges Schleifgeräusch wurde. Nach zwei Versuchen wusste ich wo es herkam. Die beiden Schrauben, die das hintere Schutzblech am Rahmen fixierten sollten, waren lose. Ohne Werkzeug hatte ich keine Chance daran zu kommen.

Begleitet von zunehmenden Schleifgeräuschen fuhr ich langsam weiter, um den Brief einzuwerfen. Dann fuhr ich zur nächsten Straßenbahnhaltestelle und schleifte das Rad in die Bahn – wie gut, dass das in Darmstadt möglich ist.

Daheim angekommen baute ich das Hinterrad aus und zog die Schrauben wieder fest – diesmal mit Schraubenkleber. Ich hoffe, das hält jetzt dauerhaft. Und zur Ehrenrettung des Grasshoppers … ich hätte auch gleich schauen können, was da so klappert.

Nur mal schnell… (7.403 km)

Alte und neue Bremsbeläge (Bild: Klaus Dapp)

Alte und neue Bremsbeläge (Bild: Klaus Dapp)

Bei der letzten kleinen Ausfahrt habe ich gemerkt, dass kein Weg mehr daran vorbeiführt, die Bremsbeläge der Vorderradbremse zu ersetzen. Schon bei der Schwarzwaldrundfahrt habe ich bei den Abfahrten kein wirklich gutes Gefühl mehr gehabt. Jetzt habe ich kein gutes oder schlechtes Gefühl mehr … die Vorderbremse bremst einfach nicht mehr. Nach dem Ausbau konnte ich dann gut sehen, dass die Beläge ziemlich abgefahren waren.

Saftkiste als Werkstattausstattung (Bild: Klaus Dapp)

Saftkiste als Werkstattausstattung (Bild: Klaus Dapp)

Offensichtlich haben unsere Strandfahrten und die Fahren mit Gepäck (… und vielleicht auch ein bisschen mein höheres Gewicht …) zu einem verstärktem Verschleiss geführt.

Leider habe ich mal wieder zwei Anläufe gebraucht. Nachdem kein Weg mehr daran vorbeiführte, die Reparatur selber zu machen, da mir der Weg zur Werkstatt mit der unzureichenden Bremsen zu riskant erschien, baute ich das Rad aus und bockte das Rad auf der Vordergabel auf einer Saftkiste auf. Das lief überraschend gut. Vorsichtig baute ich die Bremsbeläge aus und machte alles sauber. Als ich nach den neuen Belägen griff, erlebte ich eine unschöne Überraschung … das waren die Beläge für die Scheibenbremse in meinem Faltrad. Da war ich beim Einkaufen wohl in Gedanken. Schlechtgelaunt baute ich die alten Beläge wieder ein. Klar dass inzwischen alle Radläden in der Umgebung zu hatten.

"Fahrradständer" im Fahrradkeller (Bild: Klaus Dapp)

„Fahrradständer“ im Fahrradkeller (Bild: Klaus Dapp)

Im zweiten Anlauf hat es dann gut geklappt. Alles war schön sauber und ich musste nur noch die Beläge tauschen. Und siehe da – es bremst wieder. Jetzt gibt es keine Ausrede mehr, mehr Radzufahren.

 

Plauderstündchen in Kriftel (7.355 km)

Gepäckträgertransport auf dem Grasshopper im Frankfurter Stadtwald (Bild: Klaus Dapp)

Gepäckträgertransport auf dem Grasshopper im Frankfurter Stadtwald (Bild: Klaus Dapp)

Wunderschönes Herbstwetter und schon zwei Tage kein Liegerad mehr gefahren, da beschloss ich, den defekten Gepäckträger einfach per Grasshopper nach Kriftel zu fahren (und damit den Weg zum Logistikdienstleister zu sparen). Damit es ein Besuch und kein Überfall wird, habe ich kurz vor Start noch Alexander Kraft, den Pressesprecher von HP, angerufen.

Danach fuhr ich los und ärgerte mich erst mal, dass ich zwar gestern den Gepäckträger getauscht habe, aber das Ölen der Kette ebenso vergessen hatte wie die Absenkung des Drucks im hinteren Dämpfer, den ich für die Schwarzwaldfahrt erhöht hatte. So rumpelte ich leicht quietschend durch den Wald. Am Bahnübergang über die Riedbahn musste ich fast 15 Minuten warten … das erforderte schon ziemlich viel Disziplin, das Rad nicht einfach um die Schranken herum zu schieben. Danach trat ich noch etwas kräftiger in die Pedale, um halbwegs zur angekündigten Zeit anzukommen.

"Bettelbahnübergang" - aber nachdem die Züge durch waren, durfte ich sofort durch (Bild: Klaus Dapp)

„Bettelbahnübergang“ – aber nachdem die Züge durch waren, durfte ich dann auch durch (Bild: Klaus Dapp)

In Kriftel angekommen, kam mir Alexander Kraft auch schon am Eingang entgegen und begrüßte mich. Alexander Kopp aus dem technischen Vertrieb, mit dem ich auf der Eurobike über meinen Gepäckträger gesprochen hatte und Bilder zugeschickt hatte, war leider krank. So bin ich gespannt, was er noch zum Bruch des Gepäckträgers sagt.

Mit Alexander Kraft hatte ich noch Gelegenheit einen Kaffee zu trinken. Ich wollte natürlich wissen, ob es schon erste Rückmeldungen nach der Eurobike gibt. Insgesamt ist der Stand mit der neuen Messetechnik und der neuen Corporate Identity sowohl bei den Besucherinnen und Besuchern, die bewusst zu HP Velotechnik an den Stand gekommen sind, und den zufälligen Besucherinnen und Besuchern auf gute Resonanz stieß. Auch die Resonanz auf die Neuigkeiten war gut. Vor allem der Blinker für die Dreiräder und die Pinion-Schaltung im Ausleger wurden positiv wahrgenommen. Der Blinker hat offenbar viel Interesse gerade im Reha-Bereich ausgelöst.

Aus der Diskussion, ob nun die Pinion- oder die Rohloff-Schaltung die bessere Option ist, hält sich HP raus. Für den Einsatz mit Hinterradmotor ist die Pinion-Schaltung technisch bedingt die einzige Nabenschaltungsoption. Ich bin gespannt, ob diese dann doch ziemlich hochpreisige Ausführung auch entsprechend nachgefragt wird – so soll beispielsweise eine Streetmachine Gte mit Go Swissdrive-Motor und Pionion-Schaltung rund 6.300 Euro kosten. Wie sich die Neuheiten auf die Verkaufszahlen auswirken, wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen. Mit dem Blinker und der Pinion-Schaltung bietet HP nachrüstbare Optionen an, die weit über kleine Ergänzungen wie die weiter angebotene Airzound-Hupe oder Ersatzteile hinausgehen.

Speziell für die Kundinnen und Kunden in den USA hat HP ein neues Angebot entwickelt, was stärker auf die dortigen Markt- und Kaufverhältnisse eingeht. Zu den Kaufgewohnheiten in den USA gehört es, dass die Kundinnen und Kunden die Produkte im Laden in der Regel sofort mitnehmen wollen. Dazu bauen die Fahrradhändler in den USA die Fahrräder in der Regel größtenteils selbstständig auf – im Gegensatz beispielsweise zu den Händlern in Deutschland, die in der Regel ein weitgehend vormontiertes Fahrrad beziehen, das die Kundinnen und Kunden nach Wunsch aus dem reichhaltigen Baukasten von HP konfiguriert haben. Damit sinkt bei diesen Rädern in der USA der „Kriftel-Anteil“ deutlich. Der Markt insbesondere für Liegedreiräder unterscheidet sich ebenfalls. In den USA besteht ein wesentlich breiteres Angebot an günstigen Liegedreirädern.

Während des Tages der offenen Tür wurde auch ein Grasshopper aufgebaut (Bild: Klaus Dapp)

Grasshopper im Werk Kriftel (Bild: Klaus Dapp)

Deshalb gibt es speziell für die USA spezielle Editionen „Sport“ und „Performance“ für das Gekko 26 (unfaltbar), das Gekko fx 20 (faltbar) und das Gekko fx 26 (faltbar). Diese sind weitgehend vorkonfiguriert und werden an die Händler als Pakete zur Montage ausgeliefert. Dadurch – und insbesondere durch den Verzicht auf die Falteigenschaft – können im Vergleich zu heute günstigere Preise angeboten werden. Im günstigsten Fall sind das knapp 1.900 Dollar – oder mit dem aktuellen Wechselkurs rund 1.600 Euro. Damit gibt es erstmals ein Angebot deutlich unter dem „Eckpreis“ von 2.000 Dollar. Im Vergleich dazu kosten die frei konfigurierbaren und faltbaren Modelle aus Kriftel rund 2.900 (Gekko fx 20) bzw. 3.000 Dollar (Gekko fx 26) – hier sind Zoll und Versandkosten wesentliche Kostentreiber.

Ich bin gespannt, ob sich HP damit noch stärker in den USA etablieren kann. Ich hoffe, dass das Konzept aufgeht und dadurch der Standort Kriftel gestärkt wird – auch damit die Konfigurationsmöglichkeiten in Deutschland erhalten bleiben.

Idylle am Main (Bild: Klaus Dapp)

Idylle am Main (Bild: Klaus Dapp)

Auf der Rückfahrt habe ich am Main eine kleine Mittagspause eingelegt. Da die Windrichtung passte, konnte ich dabei gut die am nahen Flughafen startenden Flugzeuge beobachten. Nach der Unterquerung der Landebahn kam ich noch am Übungsgelände der Flughafenfeuerwehr vorbei – nach der Anzahl der Zuschauer jenseits des Zauns war wohl gerade eine größere Übung zu Ende gegangen. Nachdem ich das Flughafengelände verlassen hatte, ging es unspektakulär wieder zurück. Unterwegs überholte mich ein E-Scorpionfahrer mit dem Streamer (Windschutz), der offensichtlich täglich auf der Strecke unterwegs war. Am Bahnübergang musste ich auf der Rückfahrt nur eine knappe Minute warten und konnte bald darauf den schönen Tagesausflug daheim beenden.

Vier Schrauben … wo soll denn da das Problem sein? (7.270 km)

Bruchstelle am Gepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Bruchstelle am Gepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Vor der Eurobike habe ich Alexander Kopp (Vertrieb Technik bei HP Velotechnik) wegen des  gebrochenen Gepäckträgers die Unterlagen (Kaufbeleg, Fotos) geschickt und ihn dann auf der Eurobike angesprochen. Er hat vorgeschlagen, dass der getauscht wird und er dann nach der Ursache schaut – an dieser Stelle schon einmal vielen Dank für die Kulanz! Und wir waren uns auch einig, dass der richtige Weg natürlich erst über den Händer gewesen wäre 😉

Ich habe mich ein bisschen gewundert, dass er mich gefragt hat, ob er einen neuen Gepäckträger an mich schicken soll oder an meinen Radhändler. Vier Schrauben sollte selbst ich wechseln können …

Ersatzgepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Ersatzgepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Ein paar Tage später kam dann ein riesiger Karton – mit dem Gepäckträger. Da ich seit dem Bruch schon rund 300 Kilometer gefahren bin, entschloss ich mich auch noch die Schwarzwaldtour zu machen und erst dann zu schrauben. Ein weiser Entschluss…

Zwischenzeitlich hatte ich bemerkt, dass das Kabel für das Rücklicht im Gepäckträgerrohr geführt wird – also vier Schrauben und ein wenig Gefummel. Auf der Rückfahrt aus dem Schwarzwald ist mir dann aufgefallen, dass die unteren Schrauben ins Schwingenlager gehen. Zuhause angekommen reichte ein Blick ins Handbuch, um zu erkennen, dass es nicht ganz so einfach wird. Ein festgelegtes Anzugsdrehmoment, Schraubenkleber und Warnhinweise, was beim Nichteinhalten so alles passiert („Gefahr! Zu geringes Anziehen der Achsverschraubung führt zu Spiel und Geräuschentwicklung beim Einfedern, im Extremfall … zu schweren Stürzen … zu fest … Gewinde der Achse ausreißen…).

Vorbereitende Arbeiten am Grasshopper (Bild: Klaus Dapp)

Vorbereitende Arbeiten am Grasshopper (Bild: Klaus Dapp)

Ich habe ja schon öfter über eine fehlende Werkstatt gejammert. So arbeitete ich im Gemeinschafts-Fahrradkeller und gemontierte als erstes das Kabel aus dem alten Gepäckträger. Nach einer kleinen Erweiterung der entsprechenden Löcher im neuen Gepäckträger gelang es mir dann auch das Kabel liebevoll einzubauen und den Platz für den Schutzschlauch zu haben, der ein Durchscheuern verhindern soll. Ein ganz wichtiges Werkzeug für das Einfädelns war eine zurechtgebogene Büroklammer …

Alter und neuer Gepäckträger nach den Tausch des Kabels für die Beleuchtung (Bild: Klaus Dapp)

Alter und neuer Gepäckträger nach den Tausch des Kabels für die Beleuchtung (Bild: Klaus Dapp)

In der Zeit stand der Grasshopper quasi ohne Hinterachse. Im nächsten Schritt musste ich „nur noch“ die Schrauben wieder ins die Gewinde bekommen. Das war bei den Schrauben für die Schwinge nicht ganz so einfach, da sich die Achse trotz aller Vorsicht verschob und die Schraube durch den Gepäckträger, den Rahmen ein Unterlegscheibchen in die Achse musste. Nach kurzer Zeit war ich doch leicht verzweifelt … und mit Schraubenkleber beschmiert. Nur war mir klar, warum mich Alexander Kopp gefragt hat, ob ich das selber montieren will. Mit dem Hintergedanken, wie peinlich (und umständlich) das ware, die Brocken einzusammeln und zum Radhändler zu bringen, mache ich mich neu ans Werk.

Grasshopper mit neuem Gepäckträger vor dem zweiten Montageversuch (Bild. Klaus Dapp)

Grasshopper mit neuem Gepäckträger vor dem zweiten Montageversuch (Bild. Klaus Dapp)

Im zweien Anlauf kleckerte ich den Schraubenkleber auf das Gewinde in der Achse und nach einigem Hin- und Herrütteln waren die Schrauben im Gewinde und ich konnte mit dem vorgegebenen Drehmoment anziehen. Was war ich froh … und ich weiß auch wieder einmal, warum Fahrradmechaniker(in) ein Ausbildungsberuf ist.

Der neu montierte Gepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Der neu montierte Gepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Dann kamen die Arbeiten, die mir dann deutlich mehr liegen. Liebevoll lötete ich neue Stecker an das Kabel und verbaute ein kleines Sortiment an Schrumpfschläuchen, damit das Licht auch wirklich immer funktioniert. Danach klebte ich noch Gewebeband an die möglichen Scheuerstellen und war wirklich froh, dass ich fertig geworden bin.

Auf dem folgenden Bild lässt sich halbwegs erkennen, dass die Rohre oben und für die Seitensteifigkeit dicker sind und damit dem „Hauptrohr“ von links oben nach rechts unten entsprechen, das die Hauptlast zu tragen hat.

Als Ursache hat Alexander Kopp „Überlastungsbruch an Schweißnaht“ diagnostiziert. Die Ursache lässt sich nicht genauer fassen, es ist aber eine Stelle an, an der das in Einzelfällen auch schon bei anderen vorgekommen ist. Ich freue mich jetzt auf viele pannenfreie Kilometer.

Vergleich neuer (oben) und alter (unten) Gepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Vergleich neuer (oben) und alter (unten) Gepäckträger (Bild: Klaus Dapp)

Schwarzwald Panoramaradweg – 3. Tag: Freudenstadt – Schwenningen (7.208 km)

Europäische Wasserscheide Donau bzw. Rhein/Neckar (Bild: Klaus Dapp)

Europäische Wasserscheide Donau bzw. Rhein/Neckar (Bild: Klaus Dapp)

Gestärkt mit einem leckeren Frühstück zogen wir los und querten den Marktplatz in Freudenstadt. Blöderweise wusste ich schon, was jetzt kommt. Die nächste dreiviertel Stunde kurbelten wir uns teilweise kräftig nach oben. Da zeigte sich der Schwarzwald von seiner hügeligen Seite. Entlohnt wurden wir von einer ebenso steilen Abfahrt. Leider musste ich zwischendurch anhalten, da sich am Grasshopper das hintere Schutzblech von der hinteren Schutzblechstrebe gelöst hat.

Aufstieg hinter Freudenstadt (Bild: Klaus Dapp)

Aufstieg hinter Freudenstadt (Bild: Klaus Dapp)

Schon bald verließen wir den Wald und kamen auf Freiflächen. Dort genossen wir die Sonne und die tollen Blicke über und in den Schwarzwald. Klar, dass ich nicht nur in kurzer Hose sondern auch im T-Shirt unterwegs war.

Sonne genießende Kuh (Bild: Klaus Dapp)

Sonne genießende Kuh (Bild: Klaus Dapp)

Herbstlicher Feldrand oberhalb des Kinzigtals (Bild: Klaus Dapp)

Herbstlicher Feldrand oberhalb des Kinzigtals (Bild: Klaus Dapp)

Blick von Aichfelden über das Kinzigtal in Richtung Offenburg (Bild: Klaus Dapp)

Blick von Aichfelden über das Kinzigtal in Richtung Offenburg (Bild: Klaus Dapp)

Oberhalb von Alpirsbach erreichten wir den tiefsten Punkt des Tages und mussten dann teilweise wieder kräftig aufsteigen. Die Wege auf den Freiflächen waren meistens asphaltiert und wirklich gut befahrbar.

Freifläche im Schwarzwald (Bild: Klaus Dapp)

Freifläche im Schwarzwald (Bild: Klaus Dapp)

Um so größer war die Freude, dass wir nach Villingen bergab fahren konnten. Wir nutzten die Gelegenheit und schauten uns die schöne autofreie Innenstadt der Zähringerstadt Villingen an.

Obertor in Villingen im Schwarzwald (Bild: Klaus Dapp)

Obertor in Villingen im Schwarzwald (Bild: Klaus Dapp)

Leider hatten wir keine Übernachtungsmöglichkeit in Villingen gefunden. So mussten wir noch nach Schwenningen weiterfahren und dabei zwei wichtige Grenzen überwinden. Zum einen verließen wir Baden und fuhren nach Württemberg und zum anderen querten wir die Wasserscheide zwischen Donau und Rhein.

Wir belohnten uns mit einem leckeren Abendessen und guten Coctails für die lange Tour – dies trug sicher auch dazu bei, dass wir in der Nacht tief und fest geschlafen haben.

Schwarzwald Panoramaradweg – 2. Tag: Bad Wildbad – Freudenstadt (7.128 km)

Sonnenschein auf dem Sommerberg oberhalb von Bad Wildbad (Bild: Klaus Dapp)

Sonnenschein auf dem Sommerberg oberhalb von Bad Wildbad (Bild: Klaus Dapp)

Zugegeben, ich habe es schon für ziemliches Geschwätz gehalten, als ein Wanderer aus dem Saarland in der Sommerbergbahn dozierte, dass es oben ja deutlich wärmer sei… aber als wir mit der Sommerbergbahn aus dem Nebel in die Sonne fuhren, war es wirklich so. Als erstes habe ich die kurze Hose angezogen und dann konnte es losgehen.

Im Warteraum der Sommerbergbahn (Bild: Klaus Dapp)

Im Warteraum der Sommerbergbahn (Bild: Klaus Dapp)

Alleine durch den Start in der Sonne hat sich die Fahrt mit der Sommerbergbahn gelohnt. Es war gleich am Anfang schon schön warm … und genug Berg war für uns auch noch da.

Auf den nächsten rund 15 Kilometern kurbelten wir uns auf knapp 1000 Meter über Normalnull und bestiegen dann noch den Hohlohturm. Der Blick war klasse und der Turm war ein echter Publikumsmagnet, so dass wir in mehreren Sprachen der Erklärung der Umgebung lauschen konnten.

Blick vom Hohlohturm (Bild: Klaus Dapp)

Blick vom Hohlohturm in Richtung Rheinebene (Bild: Klaus Dapp)

Blick vom Hohlohturm in den Nordschwarzwald (Bild: Klaus Dapp)

Blick vom Hohlohturm in den Nordschwarzwald (Bild: Klaus Dapp)

Danach genosse wir etliche tolle Abfahrten … und lernten auch noch ganz andere Seiten des Schwarzwalds kennen.

Freifläche bei Besenfeld im Schwarzwald (Bild: Klaus Dapp)

Freifläche bei Besenfeld im Schwarzwald (Bild: Klaus Dapp)

Am Nachmittag kamen wir glücklich nach Freudenstadt. Da die Rezeption der Jugendherberge noch nicht offen war, genossen wir am berühmten Marktplatz in Freudenstadt eine leckere Torte.

Eckkirche am Marktplatz in Freudenstadt (Bild: Klaus Dapp)

Eckkirche am Marktplatz in Freudenstadt (Bild: Klaus Dapp)

In der Jugendherberge erwartete uns eine tobende Jugendgruppe. Nach dem Duschen gingen wir zu Fuß in die Stadt und ließen den Abend mit Zwiebelkuchen und neuem (württemberger) Wein ausklingen.

Unsere Befürchtung, dass wir in der Nacht kein Auge zumachen, erfüllte sich nicht. Wir waren lange genug unterwegs an der frischen Luft gewesen und entsprechend bettschwer.

Schwarzwald Panoramaradweg – 1. Tag: Pforzheim – Bad Wildbad (7.076 km)

Grasshopper in der Sonne am Ortsausgang von Pforzheim (Bild: Klaus Dapp)

Grasshopper in der Sonne am Ortsausgang von Pforzheim (Bild: Klaus Dapp)

Diesmal war das Wetter deutlich besser als bei unserem letzten Versuch, den Schwarzwald-Panoramaweg zu fahren. Bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir von Pforzheim der Enz entlang nach Bad Wildbad. Wir waren voller Vorfreude auf einen Besuch der Therme.

Weg entlang der Enz (Bild: Klaus Dapp)

Weg entlang der Enz (Bild: Klaus Dapp)

Bilck auf die Enz (Bild: Klaus Dapp)

Bilck auf die Enz (Bild: Klaus Dapp)

In Bad Wildbad ließen wir unsere Räder in der Unterkunft (die dafür pro Rad drei Euro berechnete) und gingen Essen. Wohlgesättigt tummelten wir uns dann in unterschiedlich warmen Wasser und diversen Saunen. Beeindruckend war das Außenbecken mit Blick auf den Sternenhimmel aus dem warmen Wasser. Nach Schließung der Therme suchten wir noch eine offene Gaststätte und landeten schließlich in einer Bar, in der wir das Durchschnittsalter dramatisch steigerten … aber die jungen Menschen ignorierten uns und wir hatten noch einen netten Abend.

So vorbereitet hatten wir eine ruhige Nacht – auch dies ein erfreulicher Gegensatz zur letzten Fahrt.

 

Eurobike 2017 – die Tuning-Show für Radfahrer?

Auf der Herrentoilette bei der Eurobike 2017 (Bild: Klaus Dapp)

Auf der Herrentoilette bei der Eurobike 2017 (Bild: Klaus Dapp)

Nachdem ein Kollege nach einer kurzen Beschreibung, was ich auf der Eurobike anschauen will, trocken anmerkte, dass sich das doch sehr nach Tuning-Messe anhört, war ich ein bisschen sensibilisiert. Aber für das peinliche sexistische Plakat über dem Pissoir im Männerklo hätte ich keine Sensibilisierung gebraucht…

Azub Fat-Trike (Bild: Klaus Dapp)

Azub Fat-Trike (Bild: Klaus Dapp)

Auch bei so manchem Mountainbike-Hersteller galt das Motto aus der SUV-Werbung: breiter, schwerer, stärker. Das E-Mountainbike erfreut sich großer Nachfrage. Am Haibike-Stand wurde mir das plausibel erklärt: Statt Schmerzen, Schmerzen, Glücksgefühl wird mit der E-Unterstützung das Glücksgefühl auch bergauf erreicht. Azub als Liegeradhersteller bedient ebenfalls das Klientel der technikbegeisterten Männer mit einem Fat-Trike. Die Jungs am AZUB Stand waren schon etwas pikiert als ich fragte, ob das ein landwirtschaftliches Gerät sei.

Schicke Regenkleidung auf der Eurobike 2017 (Bild: Klaus Dapp)

Schicke Regenkleidung auf der Eurobike 2017 (Bild: Klaus Dapp)

Aber es gab auch geschlechtsspezifische Angebote, die mir gefallen haben: Unter dem Label „Georgia in Dublin“ wird Regenkleidung hergestellt, die richtig spannend aussieht. Bei so einem Hingucker braucht es sicher keine Warnweste mehr.

Weste mit Netzrücken (Bild: Klaus Dapp)

Weste mit Netzrücken (Bild: Klaus Dapp)

Beim Zubehör gibt es wie immer viel kurioses aber auch praktisches. Für Menschen, die liegend unterwegs sind, sind mir bei Vaude und bei Gore jeweils eine Weste aufgefallen, die auf der Bauchseite einen Windstopper haben und am Rücken nur ein Netz: Beide Versionen schienen mir wasserabweisend zu sein. Damit wären sie sehr gut für Liegeräder geeignet, da das Wasser ja nur von vorne und oben kommt. Leider gibt es keine entsprechenden Jacken. Das wäre ein echter Fortschritt beim Liegeradeln und beim Wandern mit Rucksack.

Abus Bordo mit Alarmanlage (Bild: Klaus Dapp)

Abus Bordo mit Alarmanlage (Bild: Klaus Dapp)

Einige interessante Entwicklungen sind mir bei Abus aufgefallen. Die Bordo 6000 Reihe wird mit einer eingebauten Alarmanlage ergänzt. Die Bordo 6500 Reihe wird um eine längere Version erweitert und Abus selber macht (endlich) aktiv Werbung dafür, dass sie gleichschließende Schlösser anbieten. D.h. mit einem Schlüssel können beispielsweise das Vorhängeschloss an der Kellertür, der Akku vom E-Bike und verschiedene Fahrradschlösser genutzt werden. Im letzten Jahr übersehen habe ich die damals neu eingeführte Halterung, die ein Entnehmen nach vorne statt nach oben ermöglicht, was an vielen Rädern wesentlich praktischer ist. Ich muss mir dagegen noch eine alte Halterung zurücklegen, da mein Platz am Grasshopper für eine Entnahme nach oben optimiert ist.

Und was gibt es Neues bei Hase und HP?

Das neue Trike von Hase: Das Trigo (Bild: Klaus Dapp)

Das neue Trike von Hase: Das Trigo (Bild: Klaus Dapp)

Hase kommt mit einem neuen Einsteigermodell an den Markt. Das Trigo bzw. das Trigo UP werden komplett in Taiwan gefertigt, um den günstigen Preis zu erreichen. Außerdem gibt es klar definierte Pakete, die mit weiteren Paketen ergänzt werden können. Dazu gehört auch der STEPS Motor, der durch einen Fachbetrieb sehr einfach und schnell nachträglich eingebaut werden kann. Wie von Hase gewohnt sieht Alles sehr gut verarbeitet aus. Das Rad wird von den Händlern auch schon gut bestellt, so dass sich die Liegeradlandschaft schon bald ein wenig verändern könnte. Darüber hinaus gibt es diverse Detailverbesserungen und Zubehör. Das Spektrum reicht vom neuen Parkständer für gefederte Trikes bis zu einer Montagehilfe zum Einstellen der Spur.

Das neue Design des Grasshoppers von HP (Bild: Klaus Dapp)

Das neue Design des Grasshoppers von HP (Bild: Klaus Dapp)

HP stellt kein neues Modell vor – dafür wurden viele kleine Ergänzungen und Verbesserungen vorgenommen. Am auffälligsten ist das neue Corporate Design, das durch Aufkleber auf den Rahmen gebracht wird. Das ist sicher Geschmackssache – an einigen Stellen ist es sicher ein Hingucker, ebenso wie das Metall-Typenschild. Technisch am aufwändigsten ist wohl die Integration der Pinion-Schaltung in den Ausleger und die Kombination mit den Motoren. HP bietet damit eine breite Palette von Möglichkeiten für sehr viele Wünsche. Ich bin gespannt, ob sich ein klarer Trend herausbilden wird.

Rad-Akrobatik im Rahmen der Modeschau (Bild: Klaus Dapp)

Rad-Akrobatik im Rahmen der Modeschau (Bild: Klaus Dapp)

Mir hat es trotz knapper Zeit wieder viel Spaß gemacht und ich stehe auch dazu, dass ich die Modeschau mit den aktobatischen Einlagen ziemlich beeindruckend fand – auch wenn das ebenso wie die vielen Hostessen durchaus an die Internationale Automobilausstellung oder eine Tuning-Show erinnerte.

Und ich hatte auch wieder viele tolle Begegnungen mit fahrradbegeisterten Menschen wie an den Ständen von Hase, HP, Rohloff oder Schmidts Nabendynamo, wo die Freude spürbar war, mit den Produkten Radfahren für die Kundinnen und Kunden attraktiver zu machen.

Vélodyssée / Eurovelo 1 – ein Rückblick über rund 1.200 Kilometer und drei Wochen (6.874 km)

Atlantik mit Grasshopper bei Les Sables-d'Olonne (Bild: Antje Hammer)

Atlantik mit Grasshopper bei Les Sables-d’Olonne (Bild: Antje Hammer)

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. Dabei war Unsere Fahrt doch schön entschleunigend. Es war eine tolle Zeit.

Bevor ich einige Rückblicke mache, hier noch einmal die Etappen:

Strecke

Ich finde es eine tolle Idee, eine solche Fernstrecke zu konzipieren. Wir haben sehr unterschiedliche Landschaften erlebt. Die Streckenführung hat mir insbesondere auf den alten Bahnlinien und entlang von Kanälen sehr gut gefallen. In anderen Abschnitten ist die Strategie, Wege mit schlechtem Belag oder Steigungen in Kauf zu nehmen um dem Autoverkehr auszuweichen teilweise fraglich. Gerade wenn viele Menschen per Rad unterwegs sind und für Reisende mit Anhängern wäre es teilweise besser, vorhandene, wenig vom Autoverkehr befahrene Straßen zu nutzen.

Fahrt auf der ehemaligen Bahntrasse nach Carhaix (Bild: Klaus Dapp)

Fahrt auf der ehemaligen Bahntrasse nach Carhaix (Bild: Klaus Dapp)

Die Strecke ist nur zum Teil asphaltiert. Bis Nantes überwiegen geschotterte Wege, die je nach Witterung ziemlich schlammig werden können. Ich habe die Familien mit Kindern bewundert, die auch dort noch begeistert mit Fahrradanhänger, Zelt und Kindern unterwegs waren.

Phantasiereiche Verkehrsführung des Radverkehrs (Bild: Klaus Dapp)

Phantasiereiche Verkehrsführung des Radverkehrs (Bild: Klaus Dapp)

Teilweise gefährlich ist die Gestaltung der Wege. Poller, Drängelgitter, der häufige Wechsel der Straßenseite von Radwegen oder die rechtwinklige Wegführung erfordern nicht nur hohe Aufmerksamkeit sonder zwingen auch zu sehr langsamen Fahren, was mit Gepäck teilweise kaum machbar ist. Die Qualität der Beschilderung schwankt sehr, so dass wir regelmäßig froh waren, dass wir den GPS-Track als Leitschnur hatten.

Reiseführer / Internetangebot

Wir nutzten die Tracks und Beschreibungen von https://www.velodyssey.com und kamen damit gut zurecht. Die kostenlos herunterladbarer Tracks habe ich als Vorbereitung jeweils an die Übernachtungen angepasst. Dabei hat die Velomap wieder gute Dienste geleistet. Weitere Informationen enthält auch das Radreise-Wiki.

Als Reiseführer hatten wir den französischsprachigen Reiseführer La Vélodyssée (Verlag hachette tourisme, ISBN 978-2-01-912491-5) dabei. Dieser enthält sehr kurze Beschreibungen der relevanten Orte, die bei besonderen Sehenswürdigkeiten etwas ausführlicher ausfallen. Leider werden diese nicht entsprechend der Fahrtroute aufgelistet sondern jeweils für einen Abschnitt alphabetisch. Das macht die Nutzung unnötig kompliziert, da jeweils von der Karte zum entsprechenden Ort geblättert werden muss. Bei den Orten werden jeweils einige Übernachtungsmöglichkeiten angegeben. Da hätten wir uns im Vorfeld Aufwand sparen können. Wir haben vor allem auf Basis der Internetrouten gesucht.

Eine detaillierte Wegbeschreibung gibt der Reiseführer nicht, die Abschnitte werden in einigen Sätzen zusammengefasst und Etappen als Kartenauszüge dargestellt. Die für die Etappen angegebenen Streckenlängen stimmen mit unseren Erfahrungen überein. Dagegen haben die Zeitangaben teilweise deutlich von unseren Erfahrungen abgewichen. Sie waren oft zu lang aber teilweise auch zu kurz angegeben. Höhenprofile fehlen, so dass oft auch nicht nachvollziehbar ist, wie die Zeiten zustande kommen. Die Schwierigkeit wird zweistufig angegeben. Bei Passagen mit Autoverkehr wird auch bei sehr geringem Autoverkehr die mittlere Schwierigkeitsstufen angegeben. Wie Steigungen einfließen ist mir bis zum Schluss nicht ganz klar geworden. Die in der Karte durch unterschiedliche Farben bzw. Strichgestaltung dargestellten Beläge stimmen weitgehend mit unseren Erfahrungen überein.

Wetter

Bis auf wenige Stunden hatten wir ideales Radfahrwetter, fast ohne „zu“ heiß / kalt / windig… Das hätte im Juli und August auch anders ausgehen können. Der Blick auf die Wetterkarte zeigte uns regelmäßig Kälte und Regen in Deutschland und Hitze in Südfrankreich. Da hatten wir richtig Glück. Der Wind, von vielen Menschen im Vorfeld thematisiert, war bis auf wenige Ausnahmen kein Problem, dann zeigt sich der Unterschied zwischen Liegerad und „Aufrechtrad“ deutlich. Im Gegensatz zu Antje konnte ich quasi unter dem Wind fahren.

Reisezeit

An so manchem Standabschnitt habe ich unsere Entscheidung, in der Hauptreisezeit zu fahren, bedauert. Es war teilweise viel zu voll und sehr anstrengend zu fahren. Auf der anderer Seite hatten alle Unterkünfte, Museen oder sonstige Sehenswürdigkeiten offen. Gleichzeitig waren die Preise – vor allem für die Unterkünfte – teilweise deutlich höher als in der Nebensaison.

Gepäck und Ausstattung

Regenkleidung im Bahnhof Morlaix (Bild: Antje Hammer)

Regenkleidung im Bahnhof Morlaix (Bild: Antje Hammer)

Wieder einmal hat es sich bewährt, täglich T-Shirt, Unterhose und Socken Abends von Hand zu waschen. Bis zum nächsten Morgen waren die Sachen wieder trocken und konnten angezogen werden. Dank der angenehmen Temperaturen hatte ich auch nur selten etwas anderes an. Bewährt haben sich auch die beiden Waschaktionen an den Ruhetagen.

Zum ersten mal hatte ich neben der Regenhose auch sogenannte Rainlegs dabei. Die wirken wie eine Schürze bis zu den Knien. In Kombination mit Gamaschen sah das zwar sehr kurios aus, war aber weit weniger schweißtreibend als die rundum geschlossene lange Regenhose. Den Regen zwischen Knie und Anfang der Gamasche empfand ich als wesentlich angenehmer als die Schwitzerei in der Regenhose.

Ganz wichtig war der Rollgabelschlüssel („Engländer“). Ohne den hätte ich keine Chance gehabt, nach dem Unfall von Antje im Wald das Kettenblatt von ihrem Rad wieder so gerade zu biegen, dass wir gut weiterfahren konnten. Das bestätigte auch unsere Erfahrungen in den letzten Jahren, bei dem wir damit unter anderem Fahrradabteile an französischen Regionalzügen öffneten oder defekte Wasserhähne reparierten.

Völlig verschätzt hatte ich mich wieder einmal bei den Energieriegeln. Da habe ich fast die Hälfte wieder zurück nach Darmstadt gefahren. Wir bevorzugen doch ein richtiges Essen

Sprache

Ohne Französisch geht es nicht. Für mich war es deshalb sehr angenehm, dass Antje alle Kommunikation erledigt hat. Das war vor allem bei der Bestellung von vegetarischen Berichten nicht immer einfach. Für mich war das ein großer Luxus. Ich hatte quasi eine Reiseleitung und kümmerte mich dann einfach um die Räder und die Strecke. Spannend war die Erfahrung, dass es in der Bretagne (fast rein) englischsprachige Übernachtungsmöglichkeiten gab – ich bin gespannt, wie sich der Brexit auswirken wird.

Reisevorbereitung

Wesentlicher Aufwand für die Reisevorbereitung war die Buchung der Unterkünfte, die Antje wegen der Hauptsaison vorab buchte. Das hat einige Stunden in Anspruch genommen. Rund acht Stunden habe ich gebraucht, um die Tracks runter zu laden und die einzelnen Tagesetappen mit den Anpassungen für die Unterkünfte zu versehen. Beides hat sich gelohnt. Wir sind gut überall angekommen und die Übernachtungen haben auch alle funktioniert. Die Vorbuchung hatte auch den Vorteil, dass wir an den regnerischen Morgen gar nicht lange überlegten, ob wir losfahren wollten.

Kombination Liegerad und Aufrechtrad

Grasshopper im Wind auf der Passage du Gois (Bild: Klaus Dapp)

Grasshopper und „Aufrechtrad“ im Wind auf der Passage du Gois (Bild: Klaus Dapp)

Bei einer gemeinsamen Fahrt mit Liegerad und Aufrechtrad müssen so einige Dinge beachtet werden, damit es Spaß macht. Beim Nebeneinanderfahren muss die Partnerin bzw. der Partner auf dem „Aufrechtrad“ lernen, dass das Liegerad immer etwas vorausfahren muss, damit beide nebeneinander sitzen – das ist nicht ganz einfach.

Auf Wegen mit viel Fußgängerverkehr sollte das Liegerad möglichst hinten fahren, oft drehen sich Menschen, die noch nie ein Liegerad gesehen haben, einfach um und laufen dann noch einige Schritte, um besser hinterherschauen zu können. Damit laufen sie dem bzw. der Folgenden direkt ins Rad. Das hört sich ziemlich blöd an, aber ich musste auch schon miterleben, dass zwei Radfahrer hinter mir ineinander gefahren und gestürzt sind, da der entgegenkommende Radfahrer nur nach mit geschaut hat und dabei die Spur wechselte.

Auf freier Strecke bietet es sich an, dass das „Aufrechtrad“ hinten fährt, dann sehen wie beim Stufentandem Pinos von Hase Beide die gesamte Landschaft, da vom Aufrechtrad aus gut über das Liegerad hinweggeschaut werden kann.

Und natürlich unterscheiden sich die Räder im Fahrverhalten. Bergab ist das Liegerad bei gleicher Kraftanstrengung schneller … und bergauf ist der Trainingsstand ganz entscheidend. Da kam ich mir am Anfang der Reise machmal wie ein nasser Sack vor… mit den Tagen spürte ich einen deutlichen Trainingseffekt. Bergab wartete ich dann einfach ab und zu.

Gesundheit / Unfall

Ein wenig überschattet wurde die Fahrt durch Antjes Unfall. Dessen echte Folge – ein (an)gebrochenes Handgelenk – erst eine Woche nach unserer Rückkehr diagnostiziert wurde. Da hat ihr Körper eine ganze Menge weggesteckt. Es bleibt zu hoffen, dass das wieder richtig zusammenheilt. Gut war, dass wir gleich eine stabile (und teure) Manschette gekauft haben und Antje die auch getragen hat. Deshalb hat sie auch keinen Gips bekommen sondern die Auflage, die Manschette Tag und Nacht zu tragen.

Wie reagieren wir darauf bei der nächsten Tour? Sicherlich hat das Vorbuchen den Effekt, weiterfahren zu wollen. Allerdings ist es sehr schwer zu unterscheiden, ob ein Handgelenk nur geprellt oder geprellt und gebrochen ist. Die Manschette sollten wir wohl mitnehmen. Auf jeden Fall war ich froh, dass wir Verbandsmaterial, Schmerzmittel und Sälbchen dabei hatten.

Gut war auch die Idee, ein Mittel gegen das Jucken bei Mückenstichen mitzunehmen. Das hat mit dazu beigetragen, dass ich meist gut geschlafen habe.

Von Erkältungen usw. blieben wir erfreulicherweise verschont.

Und zum Schluss

Ich bin ziemlich sicher, dass wir auch im nächsten Jahr eine längere Radtour machen.

 

Vélodyssée / Eurovelo 1 – Tag 24: Basel – Darmstadt (6.874 km)

Ein Beitrag ohne Fotos kommt in meinem Blog eigentlich nicht vor. Aber heute hatte ich entweder keine Zeit zu fotografieren oder wollte auf jeden Fall Aufsehen vermeiden.

Gestern habe ich intensiv versucht herauszubekommen, welche Züge denn fahren. Auf der Hinfahrt nach Basel saß ich sogar in einem IC mit Fahrradabteil, der als Ersatzzug zwischen Baden-Baden und Basel fuhr. Das würde mir das Falten ersparen. Leider konnte mir weder die Deusche Bahn noch die SBB irgendeine belastbare Auskunft geben. Also faltete ich am Morgen den Grasshopper zusammen und stellt das gute Stück in Basel an die Garderobe des Speisewagens des Ersatz ICE. Um kein Aufsehen zu erregen, machte ich lieber kein Foto sondern bestellt mir ein Kaffee.

Als ich in Baden-Baden als Endstation des Ersatzzuges dabei war, den Grasshopper wieder aufzufalten, fragte mich die Zugchefin, ob ich Aufbaue oder Abbaue und bot mir an, ein Abteil für das Rad umzuwidmen. Das hätte ich mal in Basel wissen müssen, ich habe mich nicht einmal getraut nach so etwas zu fragen, um keinen Ärger zu bekommen.

Ich versuchte erst gar nicht, mit dem Rad in einen der Busse des Schienenersatzverkehrs zu kommen. In Baden-Baden standen rund 200 Menschen und warteten auf einen Bus … ich habe nur ganz kurz überlegt ein Bild zu machen. Ich sah so schon die neidischen Blicke – immerhin konnte ich ja fahren.

Das tat ich dann auch und fuhr zügig nach Rastatt. Dort kam ich zur planmäßigen Abfahrt des Ersatz-ICE nach Karlsruhe an. Am Bahnhof herrschte ziemliches Chaos und ich sah, dass sich die Menschenmenge auf den Ersatz-ICE konzentrierte, der noch nicht da war. Auf einem anderen Gleis stand der Nahverkehrspendelzug nach Karlsruhe. Da der weitgehend leer war und entsprechend dem Ersatzfahrplan fast zur selben Zeit wie der Ersatz-ICE in Karlsruhe ankommen sollte, rannte ich mit meinem Grasshopper über die Treppen dort hin. Mit 10 Minuten Verspätung fuhren wir dann vor dem Ersatz-ICE los, der zwischenzeitlich aus Karlsruhe angekommen war – und durch den Ausstieg und Einstieg natürlich noch nicht losfahren konnte. So hatte ich sogar noch Zeit in Karlsruhe einen Kaffee zu trinken, bevor der nächste Zug mit Fahrradplätzen nach Darmstadt fuhr. Das Fahrradabteil war zwar durchreserviert, aber letztendlich kamen nur drei Radler mit. Die anderen hatten vermutlich versucht mit dem Ersatz-ICE mitzukommen. Dort sah ich auf dem Bahnsteig wilde Demontagen von Vorderrädern usw..

Glücklich kam ich in Darmstadt an und radelte die letzten Kilometer nach Hause. Damit ist unsere Fahrt gut, aber ohne ein Bild zu Ende gegangen.